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Spurv – Skarntyde


Spurv stecken noch in den Kinderschuhen. Was sie anfassen, wird vielleicht nicht direkt zu Gold, aber die Norweger haben viel Potential. Ich persönlich sehe sie eher in einem Grenzbereich zwischen Post-Rock und Black Metal, als im klassischen Post-Rock, denn genau für diese obskure Mischung scheinen sie die besten Anlagen mitzubringen.

Spurv. Liest man diesen Namen zum ersten Mal in seinem Leben, spricht man ihn vielleicht automatisch englisch aus. Dann fragt man sich, was dieses Wort wohl zu bedeuten hat: ist es ein Kunstwort, das nur wegen seines schönen Klangs zum Bandnamen wurde? Spurv, das klingt nach einem Geysir, dessen heiße Fontäne aus dem Boden schießt. Es klingt vielleicht auch nach blubbernder, brodelnder Lava.

Tatsächlich ist Spurv das norwegische Wort für den Spatz. Wenn man sich den Spatz als ein kleines Vögelchen vorstellt, das sich bis auf sein Tschirpen eher unauffällig verhält, so werden die fünf Norweger ihrem Namen musikalisch nicht ganz gerecht, denn sie sind alles Andere als klein und piepsig.

Skarntyde“, zu Deutsch „Gefleckter Schierling“, ist ihr im Mai 2015 erschienener erster Langspieler, der alle Facetten des skandinavischen Post-Rocks verkörpert. Die vier Songs mit einer jeweiligen Spieldauer von 7-14 Minuten sind rein instrumental gehalten und führen den Hörer durch ein breites Spektrum an harten und weichen Gitarrenklängen und atmosphärisch angehauchten Sequenzen, die sogar an manche Stücke aus dem Pagan Metal-Bereich erinnern.

„Passacaglia (fugler med ord i nebbet)“ stimmt den Hörer langsam und vorsichtig auf das Album ein. Es klingt nach einem Spaziergang in einem herbstlich nebligen Wald auf unebenen Kieswegen, nach der Schönheit der Natur und doch nach einer unbestimmten Einsamkeit. Die ruhige Melodie erstreckt sich in ein schönes Crescendo, in dem die Gitarren ihre schwermütige Stimmung verbreiten, jede für sich in einer anderen Klangfarbe, vereint durch den langsamen Takt des Schlagzeugs. Es mündet in ein Diminuendo, in dem sich Glockenspiel-Synthies und Streicher mit den leisen Gitarren vereinen. Der Hörer betritt eine Lichtung und erblickt einen musikalischen Sonnenaufgang im frühen Nebel, begleitet von den Melodien, die aus ihrer Einsamkeit heraustreten. Mit seiner fast viertelstündigen Lauflänge zeigt dieser Opener schon das vielfältige Potential der Band, die imstande ist, verschiedene Stimmungen musikalisch zu verkörpern.

Das zweite Stück mit dem Titel „Mellom broen og elven“ ist zwar nur knapp halb so lang wie das erste Stück, es braucht sich jedoch nicht hinter dem Opener zu verstecken. Von Beginn an schwer und düster, bauen sich nach und nach atmosphärische Klänge zu rauen Gitarren auf, wodurch es einen Pagan-Charakter erlangt und aus dem instrumentalen Post-Rock im klassischen Sinne ausbricht. An dieser Stelle lässt sich die Herkunft der Band nicht mehr überhören – die Finsternis und Kälte Norwegens, die schon auf viele andere Bands ihren unvermeidbaren Einfluss ausgeübt hat.

Den Hörer mag vielleicht dieser abrupte Wechsel von einem ziemlich typischen Post-Rock-Stück zu einem epochalen Werk skandinavischer Kälte verwirren und man könnte sich fragen, ob Spurv vielleicht in all den Bäumen noch nicht ihr Nest gefunden haben. Doch einer so jungen Band, die nach einer Demo und einer EP gerade ihre erste LP veröffentlicht hat, darf man noch eine gewisse Narrenfreiheit zugestehen.

Nach „Lyden av løv som biter seg fast til sin egen kropp“, das sich im Hinblick auf die klangliche Atmosphäre an das zweite Stück anschließt, gehen Spurv in ihrem vierten Song „Hvorfor er det noe og ikke ingenting“ stilistisch noch einen Schritt weiter und verarbeiten nicht nur vermehrt Streicher, sondern auch Elemente des Black Metals.

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