Cargo-Vinylaktion

Nach einem kleinen Hype um ihren ersten Song „Something for Your M.I.N.D.“, der nach nur wenigen Tagen mehrere Millionen Streams auf Spotify erreichte, veröffentlichen Superorganism nun ihr selbstbetiteltes Debütalbum.

LP kaufen Vö: 02.03.2018 Domino Records

Superorganism, das sind acht junge MusikerInnen aus England, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland, die zu Beginn ihrer Bandgeschichte nur durch Mailverkehr an ihren Songs arbeiteten. Mittlerweile sind sie in eine Art Künstler-WG in ein Haus in East London gezogen, um an weiteren Songs zu arbeiten. Am 2. März wird nun „Superorganism“ veröffentlicht, die Band hängt auch gleich eine Europatour dran, inklusive zwei Termine in Deutschland.

Die Songs auf ihrem Erstlingswerk sind ziemlich poppig, bunt, verrückt und überraschend. Es wird viel mit bewusst verwirrend geschnittenen Breaks gearbeitet, eine Menge Umweltgeräusche mit in die Tracks eingebaut und eine dicke, übersteuerte Synthieschicht nach der anderen übereinander gelegt. Weiterhin werden obskure Samples reingemischt, ein bisschen Spoken Word hier, ein bisschen Gesang da und fertig ist der Nischenpop. Vor allem der Erfindergeist macht hier Laune, weil sich hier eine Gruppe musikalischer Querdenker zusammengetan haben und die technischen Möglichkeiten unserer Zeit austesten und neu einsetzen. Am Ende sind die zehn Tracks auf dem Album unterhaltsam, vielleicht auch ein wenig aufwühlend, aber doch etwas zu eintönig, da immer wieder die gleichen Effekte genutzt werden. Was die Band aber dennoch so spannend macht, ist ihr Umgang mit der Öffentlichkeit und wie sie sich präsentieren.

Inhaltlich geht es oft um aktuelle Themen wie Internethypes und zeitgeistige Schamlosigkeit – was sie auch audiovisuell recht gut darstellen, denn in ihrer Videos nutzen sie Memes, trashige Effekte und Oldschool-Effekte, alles mit DIY-Anspruch. Ihre offizielle Webseite beispielsweise erinnert an Beepworld-Zeiten, ein cooles Understatement, das Hipsterherzen höher schlagen lässt und ihr Gespür für Zeitgeist widerspiegelt.

Man kann sich nur zu gut vorstellen, wie sich die Kreativ-WG in London mit ihren Vorstellungen auseinandersetzt und mit immer verrückteren Ideen liebäugelt. Die Umsetzung ihres Stils ist ihnen bei ihrem Debütalbum gut gelungen. Das macht bisher viel Spaß, die Musik rüttelt den Pop ein wenig auf und die zynisch-ironische Retrodarstellung des Kollektivs ist in ihrem Kontext spannend zu beobachten – das könnte noch eine interessante Band werden in diesem Jahr.

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  • 6/10
    Autorin Jenny Gottstein - 6.0/10
6/10

Kurzfassung

Nach einem kleinen Hype um ihren ersten Song „Something for Your M.I.N.D.“, der nach nur wenigen Tagen mehrere Millionen Streams auf Spotify erreichte, veröffentlichen Superorganism nun ihr selbstbetiteltes Debütalbum.

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