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T E Morris bekannt durch die britische Post Rock-Band Her Name Is Calla, hat sich innerhalb der letzten Jahre auch als Solokünstler einen Namen gemacht. Am 24. Juni erschien sein neues Album „Newfoundland“, das herzzerreißender nicht sein könnte.

Piano, Violine, Akustikgitarre, Banjo, dazu eine helle und melancholische Stimme. Das ist die Basis von „Newfoundland“, um einmal bei dem knackigen Kurztitel zu bleiben. Was mag es mit Neufundland auf sich haben, was T E Morris zu diesem Titel inspiriert hat? An der Ostküste Kanadas erstreckt sich die eher kleine Insel Neufundland als Teil der Provinz Neufundland und Labrador, geprägt durch Wälder, Wiesen, Wale und im Atlantik vorbeidümpelnde Eisberge. Die Natur und das Klima gleichen nördlichen skandinavischen Regionen. Potentiell dürfte dieses Fleckchen Erde also genug Inspiration bieten, um ein Album aufzunehmen, das vor Sehnsucht strotzt; also genau so ein Album wie „Newfoundland“.

Der Opener „Decks the Rays“ stimmt die Hörerinnen und Hörer mit einer sanften Pianomelodie auf die Grundatmosphäre des Albums ein. Es könnte auch aus der Feder eines bekannten klassischen Komponisten stammen, zum Beispiel Rachmaninoff, vielleicht auch Schumann. Es ist klar, etwas verträumt und just in dem Moment, in dem man beinahe von Melancholie übermannt wird, kehrt doch wieder eine gewisse Fröhlichkeit in die Melodie ein. Der einsetzende Gesang reiht sich wundervoll harmonisch in das Klavierstück ein, wirkt auf das emotionale Gemüt vom ersten Moment an herzzerreißend sehnsuchtsvoll. Morris Texte sind metaphernreich und schwermütig, wie in diesem ersten Stück die erste Strophe: „I forget where I was, floating like deadwood lit by moon, lit by moon“. Und ebenso wie das Totholz im Mondschein treibt, lässt der Musiker sein Publikum auf einer schimmernden Pianowoge auf das nächste Stück des Albums hinzutreiben.

„Never Let Me Go“ beginnt mit einer Banjomelodie, die dem Stück – banjotypisch, will ich meinen – einen folkloreartigen Charakter hinzufügt. Bis zur Mitte des Stücks kommen weitere Elemente hinzu; erneutes Pianospiel, Synthies, effektvolle Drum-Klänge. Es ist ein Epos, das von Schmerz lebt. „Never let me go, I could have been more for you“, singt Morris, und genau so verlangend und verzehrend klingt der Song aus. An dieser Stelle könnte man sich schon die ersten Tränen verdrücken, zumindest aber eine Gänsehaut von einigen Zentimetern bekommen.

Der dritte Titel „The Sea of Tranquility“ ist mit einer Dauer von knapp über 10 Minuten das mit großem Abstand längste Stück des Albums. Auch hier ist das Piano wieder der Würdenträger, zuerst begleitet durch sehr wenige weitere Einflüsse aus Streichern und sanften Drums, die sich innerhalb des letzten Drittels allerdings zu einem energischen und bewegenden Klangteppich verdichten. Toms Gesang bricht hin und wieder ein, was die schwermütige Atmosphäre um die Zeilen „Line the walls with words and write them back to me, give your voice another chance send it to the stars for me“ klangvoll untermalt.

Bei einer Gesamtdauer von etwas über einer Stunde und insgesamt 13 Stücken, von denen drei mehr oder weniger kurze und unbetitelte Interludes ausmachen, würde es den Rahmen sprengen, auf jeden einzelnen Titel einzugehen. Die Atmosphäre, die Morris zu Beginn des Albums aufgebaut hat, bleibt über die gesamte Dauer erhalten, ohne dass dabei ein Song dem anderen zu sehr gleicht, obwohl die grundlegenden Gestaltungen der einzelnen Titel nicht stark von einander abweichen. Das Album ist gänzlich stimmig.

Besonders hervorzuheben ist der elfte Track mit dem Titel „Trials“, der anstelle von Gesang ein langes Zitat des amerikanischen Predigers Vance Havner enthält, untermalt mit einer – im Vergleich zum Rest des Albums – beinahe erhebenden Pianomelodie und einem sachten Beat. Trotz des völlig anderen Kontextes, erinnert dieses Stück ein wenig an den Track „Our History Will Be What We Make Of It“ von Maybeshewill.

Mit dem letzten Song „Lasting Words“ singt Morris sich ein letztes Mal in die Herzen der Hörerinnen und Hörer. Seine Stimme wirkt bisweilen klagevoll, schmerzlich wie zu Beginn des Albums, stark und dennoch zerbrechlich – ein meisterhaftes Lied mit einem Text, der schwer wieder aus dem Kopf geht: „Try the road or let it go, What are the last words you heard? Trying not to break away. And I don’t want to hear the silence, and I can’t wait to start again, trying not to break away“. Der Gesang wird wieder einmal durch das Banjo begleitet. Die Aufnahme endet unsauber, was den Eindruck vermittelt, als hätte der Musiker geradewegs im Wohnzimmer sein Lied auf einem alten Rekorder aufgezeichnet.

Man darf sich allerdings nicht beirren lassen, denn in „Lasting Words“ steckt ein Hidden Track, der mit einem krönenden Abschluss einer Kirchenorgel aufwartet.

Abschließend bleibt zu sagen, dass T E Morris mit „Newfoundland“ zum wiederholten Male ein atemberaubend schönes, magisches, bis zum Äußersten emotionales Werk erschaffen hat, das einen auf Wogen der Sehnsucht davonträgt.

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