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Über den Musikgeschmack von Max Gruber wurde viel gesprochen, gefragt und gemutmaßt. So 80s-ausgelutscht wie sich viele es wohl wünschen kommen die liebsten Platten des mitte Zwanzigjährigen garnicht daher, vielmehr verorten sie sich in die Mitte der 2000er Jahre. Die Zeit, in der die meisten zu „Mr. Brightside“ oder „Somewhere only we know“ getanzt oder geflennt haben hat Max sinnvoller genutzt.


Vorweg gehen Trostpreise an „Dude, Incredible“ von Shellac sowie „Conditions Of My Parole“ von Puscifer, die in den letzten Jahren stetige Begleiter waren. Die Zeit muss zeigen, ob sie es bleiben.

The Smiths – Strangeways, Here We Come (1987)

Ich muss etwa 14 oder 15 gewesen sein, nach 1 Uhr war es definitiv. Ich lag nach einem einzig mit Kiffen zugebrachten Wochenende schlaflos auf der Schlafcouch eines Kumpels im Nachbardorf, auf MTV lief „Night Videos“. Geschmackstechnisch eine schwieriges Interim – sagen wir Findungsphase – irgendwo zwischen 1000 Robota und Riot In Belgium. „Stop Me If You Think You’ve Heard This One Before“ samt ikonischem Bewegtbild flatterte über die Mattscheibe und der Rest ist Geschichte. Stephen Streets (Über-)Produktion verleihte der Band ungeahnte Größe, wer nach wie vor glaubt, „The Queen Is Dead“ sei der Band Meisterwerk, dem sei dieses Zitat von Morrissey ans Herz gelegt: “The Queen Is Dead is not our masterpiece. I should know. I was there. I supplied the sandwiches.”

https://www.youtube.com/watch?v=SJPrDNPC4ZY

Marilyn Manson – Mechanical Animals (1998)

Über diese Platte hab ich mir in den letzten Jahren die Finger wund getippt und den Mund fusselig geredet. Für mich einer der mutigsten und gelungensten Stilbrüche der Populärmusik (neben „Primary Colours“ von The Horrors) ebenso wie eine anhaltende Quelle der Inspiration. Ein Gesamtkunstwerk vom Konzept zur Musik über das Cover, das Layout bis hin zu den Outfits und Musikvideos, der Tour und allem, was sonst noch dazu gehört. Musikalisch mit großen Abstand Marilyn Mansons gewagtestes und bestes Album. Max Rieger approves of this message.

https://www.youtube.com/watch?v=rRrgXpkpDvk

Test Icicles – For Screening Purposes Only (2005)

„Sarah Kuttner – Die Show“ lief beim Musiksender Viva oder Viva2 und die Test Icicles waren der musikalische Gast. Dev Hynes, mittlerweile gefragter Songwriter und vielen wohl besser bekannt unter dem Alias Blood Orange, stand, gerade volljährig, mit rosa Ibanez Gitarre samt „Mean People Suck“ Sticker und einem Plastikhorn als Plektrum auf der Bühne, neben ihm Sam Mehran (für dessen Aussehen zu dieser Zeit ich noch immer alles geben tät) und Rory Atwell, der mittlerweile Mitglied bei Die! Die! Die! ist. Das Trio hatte offensichtlich nicht das geringste Interesse daran, eine auch nur halbwegs akzeptable Performance abzuliefern. Was ich zuerst nicht verstand, zog mich nach und nach in seinen Bann – so etwas war mir bis dato schlicht noch nicht begegnet. Domino nahm die Band kurz nach ihrer Gründung schneller unter Vertrag, als du Test Icicles buchstabieren kannst und James Ford produzierte mit ihnen diesen Mittelfinger einer Platte, in den ich mindestens ein mal im Jahr wieder verliebe.

https://www.youtube.com/watch?v=PCrNZemXN8s

Lightspeed Champion – Falling Off The Lavender Bridge (2008)

Die Test icicles lösten sich auf, mein jugendliches Herz ebenfalls. Domino verkündete, Dev arbeite irgendwo in Nebraska an seinem Soloalbum und so gab’s wieder einen Grund weiterzuleben. Als besagtes Album endlich kam war ich geschockt. Trotz Songtitel wie „Everyone I Know Is Listening To Crunk“ und „All To Shit“ gab es seichten Saddle Creek Folk mit Slide-Gitarre und Geige. Was meinem von den Test Icicles geschulten Gemüt zuerst überhaupt nicht schmeckte erschloss sich mir erst nach und nach, wie dem musikalischen Neandertaler der ich nunmal bin. Wenn die Zeit eine Sache an diesem Album entschleiert hat, dann, dass es textlich hie und da etwas juvenil daherkommt. Trotzdem ist es in meinen Augen noch immer Devontes (den man zur damaligen Zeit öfter in Burzum-Shirts sehen konnte) beste Arbeit. Das beinahe 10-minütige „Midnight Surprise“ ist wahrlich ein wunderbares Epos!

https://www.youtube.com/watch?v=u9PFdirq62o

HeavyHeavyLowLow – Turtle Nipple & The Toxic Shock (2008)

Auch ich war leider nicht gefeit vor dem schieren Überfluss an Punktpunktpunkt-core Bands, die es während der einstelligen nuller Jahre wie Sand am Meer zu geben schien. Wecamewithbrokenteeth, I Set My Friends On Fire, I Shot The Sheriff und wie sie nicht alle hießen – zum Glück glaube ich erst gar nicht an guilty pleasures. Zu dieser Zeit waren HHLL, wie wahre Fans sie nennen, eine der Bands, die zwar immer irgendwie in einem Atemzug mit ebensolchen Acts genannt wurden, dennoch aber nie wirklich dazugehörten und eigentlich auch so gar nicht in das Schema der MySpace-Emo-Kids passten. Die manchmal vier-, manchmal fünfk.pfige Band um Sänger Robbie Smith mischte alles, was nicht zusammengehörte: Jazz, Hardcore Punk, Grindcore, Mathcore, am besten meines Erachtens auf ihrem letzten Album „Turtle Nipple & The Toxic Shock“, einer Platte, die für mich bis heute stellvertretend für mieseste Laune, blinde Wut und schiere Manie steht. Inklusive dem einzig akzeptablem Black Flag Cover (besser als das Original – fight me).

https://www.youtube.com/watch?v=TKO7MhEMZmE

TOOL – 10,000 Days (2006)

Ich bin einer dieser Typen, die einem durchgehend davon erzählen müssen, wie geil TOOL sind. Das liegt vor allem daran, dass TOOL ziemlich geil sind und 10,000 Days ist mein Lieblingsalbum. Produziert von „Evil“ Joe Baressi klingt die Band auf ihrem vierten und noch immer neusten Album (2019 kommt der Nachfolger, ich schwör’s euch!!!) so aufgedunsen, harsch und roh wie seit „Undertow“ nicht mehr. „Wings For Marie (Pt 1)“ und „10,000 Days (Wings Pt 2)“ ist die ergreifendste musische Trauerrede, die es gibt, „The Pot“ und „Jambi“ sind so schräg, so heavy und doch so eingängig, das kriegt keiner so hin wie diese vier. Tipp: Kauf dir eine Schwarzlichtlampe und bei EMP ein unter dieser leuchtendes Poster mit einem Alien, der auf einem Pils sitzt und dabei Wasserpfeife raucht und auf dem I WANT TO BELIEVE oder sowas steht, versperr deine Fenster und Türen, schnupf PCP und hör „Rosetta Stoned“ und wenn dir dann keine Träne aus dem dritten Auge kullert, weiß ich auch nicht, was mit dir nicht stimmt.

https://www.youtube.com/watch?v=OhMuBMLcW94

Paul Simon – Graceland (1986)

Ich will bloß wenige Worte über dieses Album verlieren, da nichts, was ich schreibe, „Graceland“ gerecht werden würde. In meinen Augen ist es das perfekte Album und, so abgedroschen dieser Satz klingen mag, ich kann es wirklich immer hören. Kein Song steht dem anderen nach, jede Textzeile ein Tattoo. Paul Simon und Konsortien ist ein auf allen Eben kontroverses wie wunderschönes Meisterwerk gelungen, dass es so kein zweites Mal geben wird. Ich empfehle hierzu auch den Film „Under African Skies“.

https://www.youtube.com/watch?v=c1ahw3N5Jpc

Titelbild: (c) Chris Gonz

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