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Vielseitiger Punkrock mit Hirn und dem Herz auf der Zunge. (7″ + Flexi-Disc-Verlosung am Ende!!)

Vö: 24.08.2018 Pirate Press iTunes LP kaufen

The Bar Stool Preachers aus dem schönen Brighton/UK haben ihr zweites Album am Start.

Beim Titel könnte man schon erahnen, dass die Herren mit der Gesamtsituation ihn ihrem Land offenbar etwas unzufrieden sind. „Grazie Govern“, zu Deutsch „Danke Regierung“ (Obacht, nicht zu verwechseln mit „Danke Merkel“, das wird hier in unserem Land vorwiegend von sehr einfachen Menschen gebraucht) geht inhaltlich eigentlich durchgehend in eine politische Richtung, wobei hier alles andere als platt oder unnötig reißerisch getextet wird. Aber, kommen wir zum wesentlichsten Element eines Albums: der Musik.

Wer Punk mag und gerne mal wieder etwas frischen Wind diesem Genre spüren möchte, muss bei The Bar Stool Preachers einfach reinhören.

Klar, es handelt sich hier um Punkrock, aber es sollte als hinreichend bekannt vorausgesetzt werden, dass Punkrock nicht gleicht Punkrock bedeutet. Die Briten bauen auf einem grundsoliden Fundament aus akkordverliebtem, aber angenehm rohem Straßenpunk auf, auf das immer wieder überaus frisch wirkende, aufrüttelnde Ska-Elemente gestreut werden. Wollte man sich unbedingt eine Band suchen, die man hier zum Vergleich heranziehen kann, dann wären das zweifelsohne RANCID. Die Ähnlichkeit hat allerdings bei der Stimme wieder ihre Grenzen, da der Frontmann der The Bar Stool Preachers schon eine ganz eigene und viel harmonisch klingendere Stimmfarbe hat, als Armstrong, Frederikson oder Reed. Als kleines Sahnehäubchen gibt es auch noch den geilen, britischen Akzent obendrauf, der (wenigstens mir) jedes Mal Freude bereitet.

Gleich der Titeltrack poltert mit geilen Ska-Rhythmen los, verzichtet allerdings auf Bläser, nicht aber auf eine fette Orgel. Spätestens beim Chorus drückt sich noch ein anderer, aber auch durchaus passender Vergleich zu den großen Mighty Mighty Bosstones auf und man fühlt sich angenehm an Zeiten erinnert, in denen Ska-Punk noch eine größere Rolle spielte.

Das schmissige „8.6 Days (All The Broken Hearts) hat zum einen ein geiles Folk-Feeling, zum anderen könnte ich es mir mit seinen Melodien und Chören auch jederzeit in einem großen Stadion vorstellen.

„Warchief“ setzt eigentlich direkt da wieder an, wo der Vorgänger verklang, steigert aber den Druck mit einem Tritt auf das Gaspedal deutlich. Zu späterer Spielzeit wird auch die Geschwindigkeit erhöht und erste Melodicore/Skatepunk-Anleihen sprießen aus dem punkigen Nährboden.

„Choose My Friends“ ist wiederum locker und gutgelaunt und erinnert mich sofort (und das positiv) an die großen Less Than Jake, allerdings ohne eine gewisse Eigenständigkeit vermissen zu lassen. Wieder fühle ich mich zurückversetzt und ich habe meine helle Freude daran.

„DLTDHYOTWO“, weiß der Geier wofür das steht, vielleicht klärt mich ja jemand auf, lebt von coolem, ja fast schon finsteren Ska und würde in einem dämmrigen Club wahre Wunder wirken. Hier wird wieder ordentlich über das Scheiß-System hergezogen und passender kann man das kaum untermalen.

Bevor die Melodicore-Momente wieder in Vergessenheit geraten, kommt „2.22“ um’s Eck und feuert die Melodien aus vollen Rohren. Ein wahnwitziges Gemisch aus Geschwindigkeit, klassischen Trademarks wie den typischen Drums oder Chören und ein gewöhnungsbedürftiger Synthesizer wumpen hier alles um.

„Take a minute, pour yourself a drink“, dazu verleitet das coole „Drink“ und ich komme der Aufforderung sehr gerne nach. Irgendwie klingt eh alles wieder nach Pub, da kann man das schon mal zusätzlich begießen. Das Punktstück lebt zudem vom nicht geringen, musikalischen Anspruch.

„Drive“ ist eine großartige, stadiontaugliche Rocknummer mit klassischen Ska gepaart und funktioniert wirklich prächtig. Geil dreckig, genau wie das folgende „Cry Wolf“, das auch wieder eher fast zu finster für Ska wirkt, aber trotzdem eine Menge Freude macht.

„Raced Through Berlin“ ist zwar gutgelaunter Punk, hat aber textlich sehr ernste Elemente zu behandeln. Sehr geil ist hier das Akustikgitarren-Intro, das mit Sirenen unterlegt wurde und somit verdammt dramatisch erscheint.

Die letzten beiden Stücke, „Since You“ und „Force Fed“ treiben es mit den Ska-Anteilen ganz klar auf die Spitze, wobei ersteres mit Klavier, Rumpeldrums, Bar-Atmo und anteiligem Hardcore mit das geilste Stück des Albums darstellt.

„Grazie Governo“ ist wie eine kleine Wundertüte aus scheinbar vergangenem und zeitgenössischem Punk und allen genannten Spielalten. Bei jedem Durchlauf gibt es ein bisschen mehr zu entdecken und das solle einigen von euch hiermit auch zuteilwerden.


Wir verlosen je eine von drei 7“-Singles in unterschiedlichen Farben und packen je eine Promo-Flexi-Disc mit dazu.

Um zu gewinnen, müsst ihr nur eine Email mit dem Betreff „Punk As Fuck“ und eurer Adresse an winmitpin[at]prettyinnoise.de schicken und bis zum nächste Sonntag (9.September) warten, dann wird nämlich ausgelost.

 

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