Melancholie und Ampelphasen. So scheint der Moment der Platte aus einem kleinen Stilmittel ganz am Ende von ‚The flooded road (built on sand)‘, einem kleinen, unpassenden, scheinbar falschen Ton zu bestehen, der dem ganzen – im wahren Sinne des Wortes – eine andere zusätzliche Note gibt. Aber auch die offensichtlichen Anleihen bei Soul und Psychedelic geben der EP als gesamtes einige Farbtupfer, die zwar nicht sofort offensichtlich sind, aber das Album doch durchaus sehr hörenswert und abwechslungsreich machen, nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf textlicher Ebene.

Düsseldorf irgendwann im Frühjahr, leichter Regen, Bahnhaltestelle. Irgendwie ist ‚Darkling, I listen‘ von The Black Atlantic der passende Soundtrack zu dieser Szene. Ähnlich trist ist die Stimmung der EP, grau in grau sozusagen. Trist, grau, aber keineswegs negativ und schlaff. Die vierköpfige Band um Geert van der Welde hat vielmehr ein zwar durchaus melancholisches, reduziertes, in sich gekehrtes Werk auf die Beine gestellt, das aber durchaus auch kraftvolle, unerwartete Momente bieten kann.

Den Beginn macht ein Stück namens ‚The Aftermath (of this unfortunate event)‘, setzt direkt dort an, beginnt es doch textlich melancholisch, selbstreflektiv, um dann aber durchaus auf einmal emotional und beinahe laut zu werden, instrumental durchaus ein Ausrufezeichen schon an den Anfang der Platte setzend. Der Regen tropft ein wenig stärker auf die Scheiben der Haltestelle, aber es kommt auch ein wenig mehr Bewegung in die Szene, Ampelphasen wechseln. Irgendwie immer noch der passende Soundtrack. Passend auch der Titel des zweiten Stückes – ‚The flooded road (built on sand)‘. Das kommt nach dem eher folkig angehauchten ersten Stück doch mit fast schon überraschend viel Soul daher, weckt weniger Assoziationen mit nieselberegneten westdeutschen Bahnhaltestellen im April, sondern schwarzweißgemalten amerikanischen Clubs vielleicht schon vergangener Tage – überraschend, zumal die Band aus den Niederlanden stammt und mit Geert van der Welde den ehemaligen Frontmann einer Metalcore-Band namens Shai Hulud am Mikrofon hat.

Aber immerhin stammte diese Metalcore-Band dann wiederum aus den USA. Ob das nun als Quellefür eine solche Assoziation dieser EP mit kleinen, intim-verrauchten Venues reicht, sei dahingestellt. Der Titeltrack, ‚Darkling, I listen‘, passt dann wieder zur eher tristen Stimmung des Wartens im Regen, erzählt  das Stück doch von vergangenem Leid und bevorstehendem  Ende. Vanitas und Melancholie mit Gitarre, Streichern und Schlagzeug – und natürlich Gesang: „When I die, fling my ashes high, for the wind to   disperse /All my intentions remain ethereal. All of my dreams impossible.“ Der vorletzte Track der EP, ‚An archer, a dancer‘ kommt von Anfang an dagegen schon psychedelisch daher, steigt nach der Hälfte in meditative Dunkelheit ab und wandert trotzdem durch diesmal sphärische Melancholie und erinnert da schon an Größen wie vor allem King Crimson. Der Titel des letzten Stücks, ‚A quiet, humble man‘ ist fast schon ein Sinnbild für die gesamte EP und steht programmatisch für die Gesamtstimmung.

Auch die Platte kommt klanglich schnörkellos und fast unscheinbar daher, still und bescheiden eben, entfaltet aber schon nach dem ersten Hören eine komischerweise zur vorherrschenden   Melancholie kontrastierende angenehme Stimmung – ganz abgesehen davon hat man oftmals das unbestimmte Gefühl, dass es sich bei ‚Darkling, I listen’um das Werk einer vertrauten, oft gehörten Band handelt, ohne wirklich festmachen zu können, um wen es sich handelt und wieso überhaupt.

Das Bild der Bushaltestelle im Regen ist wirklich passend – man fühlt sich vertraut, aber nicht heimisch, zuerst scheint alles in seinem Regenschleier grau in grau, doch wenn man sich Zeit nimmt und genauer hinsieht, entdeckt man Farben und kleine, interessante Details. So scheint der Moment der Platte aus einem kleinen Stilmittel ganz am Ende von ‚The flooded road (built on sand)‘, einem kleinen, unpassenden, scheinbar falschen Ton zu bestehen, der dem ganzen – im wahren Sinne des Wortes – eine andere zusätzliche Note gibt. Aber auch die offensichtlichen Anleihen bei Soul und Psychedelic geben der EP als gesamtes einige Farbtupfer, die zwar nicht sofort offensichtlich sind, aber das Album doch durchaus sehr hörenswert und abwechslungsreich machen, nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf textlicher Ebene. Auch zwei Zeilen aus dem Titelstück scheinen selbstreferenziell und wie auf das Album gemünzt – „this is bleak but in beautiful translation from infinity to the pen to the mouth“.’Darkling, I listen‘ ist auf der Bandcamp-Seite von The Black Atlantic anzuhören, kann bereits bestellt werden. Zusätzlich dazu kommt die holländische Band Mitte des Jahres auch für einige Konzerte   nach Deutschland, um den Hörer hoffentlich auch live davon zu überzeugen, daß Melancholie und Regenwetter nicht immer nur einheitlich trist sein müssen, sondern auch viele verschiedene Farben und Schattierungen bieten können.

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