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Post-Rock, Post-Rock? Hör ich dir trapsen?

Vö: 21.09.2018 Tonzonen Records iTunes LP kaufen

Hört man sich um, so bekommt man den Eindruck, dass sich im Genre Post-Rock eklatante Ermüdungserscheinungen zeigen. Oder zumindest bei der anfänglich geneigten Hörerschaft. So ergeht es wahrscheinlich jeder Spielart mit einer gewissen Popularität. Ist die Lobby nur groß genug, finden sich früher oder später Menschen, welche den gern gehörten Sound nicht nur durch Konsum zelebrieren wollen, sondern auch durch reproduzieren Tribut zollen.

Jedes Genre definiert sich durch (eng) gesteckte Grenzen. Der vertraute und elaborierte Hörer ist aufgrund seiner Vorkenntnisse entsprechend vorbela… gebildet und beurteilt juvenile Emporkömmlinge mit der hochgelegten Messlatte der ihm bereits bekannten Maßstäbe. Wird der Sound der Gründungsväter lediglich kopiert (im schlimmsten Falle auch noch schlecht) oder gelingt es sogar bisher ungenutzte Elemente zu implementieren ohne den Bogen zu überspannen und die Genregrenzen zu sprengen.

Artwork-, namens- und songtiteltechnisch machen The Clouds Will Clear gefühlt auf jeden Fall alles richtig. Ausgehend vom blaukalten Wildnis-Cover mit bedrohlichem Wolf, über einen ausreichend langen und Bandnamen inklusive Hoffnungsschimmer, einem leicht kryptischen Album-Titel, bis zu Songs im 5-7 Minuten-Spektrum mit nicht mehr als drei Wörtern im Titel (wäre das Cover in schwarz-weiß, wäre das ein astreines Blackmetal-Cover, verstehste?).

The Clouds Will Clear betrachten dich auch gern aus der Ferne, aber ohne dass im nächsten Moment eine ganze Kirmeslandschaft über den Hörer hereinbricht.

Werden dann die angenehm angezerrten Tieftöner und Gitarren ausgepackt, stürzt auch nicht gleich das Weltgefüge zusammen. Diese Wolkenbrüder verstehen sich darauf, eine kribbelig-entspannte Grundstimmung aufzubauen, um darauf ihre soundtrack-artigen Konstrukte entstehen zu lassen. Radiodurchsagen („Attack Warning“) lassen das Gesamtbild noch cineastischer erscheinen und scheinen uns darauf vorbereiten zu wollen was noch kommt, wenn die Wolken sich verzogen haben. Somit tauchen sie mit uns noch im letzten Song zum „Deep Sea Mining“ ab, um in entspannter Atmosphäre mit leichtem Captain Future-Synth-Feeling die Gefahren zu zeigen, die hinter dem Bullauge in der Tiefe lauern.

Wenn auch gerade dieses Genre ohrenscheinlich etwas angebotsüberladen anmutet, so wünsche ich den vier Frankfurter Jungs den Erfolg, welchen sie für ihre „Recollection Of What Never Was“ verdient haben und ihnen in absehbarer Zeit ein Folgealbum ermöglicht.

Vielleicht erzählen sie uns dann „Stories that had been told, but were forgotten“.

Titelbild: (c) Oli Hummel/HUMMELGRAFIK

Vorab im Stream: The Clouds Will Clear präsentieren ihre Debüt LP

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