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Sobald man die ersten Songs des Albums gehört hat, weiß man – was man schon immer wusste- das Neil Hannon nicht auf kommerziellen Erfolg spekuliert sondern ein Statement zum Zustand der Gesellschaft und der Arbeitswelt abgeben musste.

Vö: 07.06.2019PIASLP kaufen

Dass Neil Hannon ein musikalisches Genie ist, steht sicherlich außer Frage. Unglaublich, was für einen Aufwand er auch mit seinem zwölften Album Office Politics betreibt. 16 Songs die von Neil Hannon in Irland und London geschrieben, arrangiert und produziert worden sind. Die sehr unterschiedlichen Songs sind wie immer klug und einfallsreich, aber wirken alles ziemlich unzeitgemäß. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es Hannons Absicht altmodisch zu wirken und entsprechend altmodische Musik zu machen.

Laut dem Pressetext ist das Album Office Politics als eine Abhandlung über zunehmende Entfremdung in der heutigen Arbeitswelt angelegt. Das muss man – selbst als The Divine Comedy– affine HörerInnen – mögen und dann auch noch das nötige Durchhaltevermögen vorweisen.

Nach dem hochgelobten und in sich geschlossenen musikalisch runden Vorgänger-Album Tomorrowland wirkt Office Politics wie eine Zeitreise in die 70er und 80er Jahre und insgesamt komplett unharmonisch.

Synthesizer und Vokoder, Europa-Fanfare, musikalischen Kammerspiel mit Tuba und Kirmesmusik, Neil Hannon macht es den HörerInnen nicht einfach.

Als bekennender Neil Hannon-Fan muss der Autor feststellen, dass die Erwartungen in das neue Album enttäuscht worden sind. Es mag einem Künstler selbstverständlich zustehen neue Wege zu gehen aber was Hannon hier – in Gegensatz zu seinen bisher präsentierten Kurz-Geschichten von der Liebe (Songs of Love), von eigenen kleinen Ich (Napoleon Complex) und Alltagsproblemen (diverse) – den HörerInnen vorsetzt erinnert an die musikalischen Experimente eines Brian Wilson in den Tiefen seiner Psycho-Drogen-Krise. Sicherlich wird es Musikkritiker geben, die das Album hochloben werde aber ein Künstler hat nach meinem Verständnis auch eine Verantwortung seinem Publikum gegenüber. Die hat Hannon hier für die Verwirklichung eigener Ideen über Bord geworfen.

Kurz vor dem 30-jährigen Bestehen von The Divine Comedy denkt man gerne zurück an so tolle Songs wie Tonight We Fly, Something For The Weekend und National Express aus den 90er Jahren sowie Love What You Do,  Absent Friends, A Lady Of A Certain Age, At The Indie Disco oder To The Rescue aus den Alben seit der Jahrtausendwende.

Das aktuelle Album hat auch wenn die Auswahl groß ist leider nichts Vergleichbares zu bieten.

Außer dem vorab veröffentlichten Track Norman und Norma, das ein schönes Klavierstück mit Orchesterbegleitung ist, kann sich kaum ein Song in der Erinnerung festsetzen. Der Hannon-typische Kammer-Pop kann sich nur in wenigen Stücken ausdrücken. Leider sind zu viele Klangeffekte, Ideen und Unstimmigkeiten aber vor allem zu viele Synthesizer in die Songs eingebaut, so dass es in den meisten Fällen kein allzu großes Vergnügen ist, dem zuzuhören. Es mag durchaus einen kleinen Kreis intellektueller Edelfans geben, die alle versteckten Anspielungen und Hommagen erkennt und zu würdigen weiß. Den meisten musikalisch interessierten HörerInnen wird sich das Album aber nicht erschließen.

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BEWERTUNG DES AUTORS: RICHARD KILIAN
Zusammenfassung
Mit dem neuen Album hat sich Neil Hannon wohl einen persönlichen Wunsch erfüllt. Schön wäre gewesen, wenn er dabei etwas mehr an sein wohlwollendes Publikum gedacht hätte.  
2.5
Leser Bewertung 2.53 ( 4 Bewertungen)
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