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Die große Faszination an The Hirsch Effekt bleibt die enorme Lebendigkeit und schöpferische Kraft, die das Trio direkt aus den finstersten Tiefen des Nihilismus zu atmen scheint.

Eine letzte Erkenntnis: Unwissenheit (altgr. Agnosie). Mit „Holon: Agnosie“ vollenden The Hirsch Effekt aus Hannover ihre Alben-Trilogie. Eine einfache Geschichte, ließen sich Anfang und Ende in der Musik der Avant-Garde-Metaller auch nur ansatzweise verorten oder voneinander trennen. Ein Annäherungsversuch.

Anders als „Holon: Hiberno“ und „Holon: Anamnesis“ erzählt das dritte, ebenfalls von Max Trieder und Tim Tautorat produzierte Album von The Hirsch Effekt keine Geschichte einer Beziehung. Es erzählt die Geschichte unserer Beziehung: Wo endet das ich, beginnt das Fremde? Wo verwischen „wir“ und „ihr“? Was ist menschlich?

Ohne Rücksicht auf Verluste zeigen Ilja Lappin, Nils Wittrock und Moritz Schmidt der kuscheligen Neo-Solidarität den Stinkefinger und okkupieren die Zentrale der gesellschaftlichen Schönfärberei: „Es geht nicht um Werte / sondern um „Was sagen die Nachbarn?““.

Utopie-entwürfe und Nettigkeiten werden sorgsam mit Jazz-, Pop- und orchestralen Elementen zusammengeheftet und kurzerhand durch den Mathcore-Reißwolf gejagt. Dennoch bleiben vereinzelt Melodiebögen, Chöre und Hooklines erhalten, fragmentiert aber geradezu schmerzhaft einprägsam.

Mit geiferndem Hass, der sich blind taumelnd mal gegen das „ich“, das „ihr“ das „wir“ richtet, fressen Gekeife und Thrash-Gitarren sich gnadenloser als je zuvor durch die Dramaturgie von „Holon: Agnosie“. Wo sie gewütet haben und die Stille nichts als verbrannte Erde hinterlässt, wehen noch leise die spöttischen Synthies aus „Athesie“, schwelt der zynische Jazzpart aus „Bezoar“. Auch auf diesem Schlachtfeld kündigen sich Anfang und Ende mit denselben biblischen Bläsern, denselben prophetischen Zeilen an: „Eine letzte Erkenntnis / des rein richterlosen Prozesses hier…“

…bleibt, dass alle Bemühungen vergebens bleiben.

Die große Faszination an The Hirsch Effekt bleibt die enorme Lebendigkeit und schöpferische Kraft, die das Trio direkt aus den finstersten Tiefen des Nihilismus zu atmen scheint.

The Hirsch Effekt – Holon: Agnosie
1. Simurgh
2. Jayus
3. Agnosie
4. [Chelicera] 5. Bezoar
6. Tombeau
7. Emphysema
8. [Defaetist] 9. Fixum
10. Athesie
11. [Tischje] 12 Dysgeusie
13. Cotard

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