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Seit fast 30 Jahren spielen The Jayhawks in einer eigenen Liga, weil Gary Louris die Zügel fest in Händen und damit die Band auf sicherem Kurs hält.

Zum ersten Mal in der langen Bandgeschichte veröffentlichen The Jayhawks mit XOXO ein Album, das tatsächlich eine durchgehende Gemeinschaftsproduktion ist.

Das erstaunlicherweise erst 11. Studio-Album der Alternative-Folk-Country-Band dürfte so manchen Fan und Kritiker überraschen aber auch erfreuen, denn es zeigt, wie breit The Jayhawks aufgestellt sind. Neben Bandleader Gary Louris und Bassist Marc Perlman, der auch auf früheren Alben bereits als Co-Autor tätig war, haben nun auch Schlagzeuger Tim O’Reagan und Keyboarderin Karen Grotberg ihre Songwriting-Talente eingebracht.  

Das tut der Band und dem Album sichtlich gut. Waren O’Reagan und Grotberg bereits auf dem letzten Album Back Roads und Abandoned Motels (2018) bei der Interpretation von Songs, die Gary Louris für andere Künstler geschrieben hat, am Mikrofon aktiv, so können sie nun auch ihre eigenen Lyrics und Arrangements ausbreiten.

Mit den insgesamt 15 Tracks (12 reguläre Songs und 3 Bonus-Tracks) und einer Laufzeit von knapp 57 Minuten ist das Album mehr als gut ausgestattet und hat mit dem Opener, der Single This Forgotten Town, direkt einen klassisch-schwungvollen Einstieg.

Der von Gary Louris und Marc Perlman geschriebene Song lebt wunderbar vom wechselnden Leadgesang von Louris und O’Reagan, wobei Grotberg zusätzliche Gesangsparts einbringt.

Weiter geht es mit dem treibenden Rocker Dogtown Days, bei dem man an Tom Petty denken muss. Die zweite Single-Auskopplung Living In A Bubble ist ein kunstvoll inszenierter Klavier-Pop-Song, der einen wunderbaren Refrain hat und vom Arrangement an so manchen Elton John-Song erinnert.

Der Karen Grotberg-Song Ruby ist sicher einer der Höhepunkte des Albums und erinnert in seiner musikalischen Klarheit und stimmlichen Askese an Karen Carpenter aber auch an Christine McVie.

Nach dieser ruhigen Phase bringt Gary Louris wieder Schwung in die Arrangements und erinnert sowohl musikalisch als auch von den Gesangsparts mit Homecoming stark an The Beach Boys und Crosby, Stills and Nash. Society Pages ist weniger spektakulär auch wenn man beim Hören unweigerlich an die frühen The Smashing Pumpkins denkt. Mit dem Song Illuminate, den Perlman und O’Reagan geschrieben haben, werden erneut Gesangsharmonien wie bei The Beach Boys bemüht.

Bei Bitter Pill kommt dann endlich die Pedal-Steel wie in früheren The Jayhawks-Produktionen zum Einsatz und man fühlt sich in die Gute-alte-Zeit versetzt. Karen Grotberg übernimmt bei Across My Field wieder das Mikrophon und bringt den sehr getragenen Song elegant ins Ziel.

Zum Ende übernimmt Gary Louris wieder stärker die Arrangements und die Songs gewinnen an Schwung. Ein typischer The Jayhawks-Bühnensong ist Little Victories – sehr tanzbar und mit schönen Chor-Gesangsparts. Ein klassischer Folk-Rock-Song mit ganz viel Bluegrass und Counry ist Down to the farm, der ganz langsam und friedlich dahinfließt.  

Zum regulären Finale des Albums gibt es den schöne Akustik-Song Looking up your Number, der sehnsuchtsvolle Gesangsteile und wunderbare Chorgesänge bietet. Ein toller Träne-ins-Kopfkissen-drück-Song.

Die allesamt guten Bonus-Tracks Jewel Of The Trimbelle (von Karen Grotberg gesungenes akustisches Klavierstück), Then You Walked Away (ein schöner Folk-Rock-Song, der eine tolle Zugabe abgibt) und Hypocrites Lament (ein schönes Duett von Louris und Grotberg) zeigen die tatsächliche Qualität des Songwritings von Gary Louris und den anderen Bandmitgliedern. So mancher wäre froh so gute Songs im regulären Albumumfang zu haben.

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Zusammenfassung
Das ist unbestritten bisher eines der abwechslungsreichsten Alben des Jahres 2020. The Jayhawks zeigen, dass sie auch nach fast 30 Jahren immer noch eine feste Größe im Musikgeschäft sind.
4.5
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