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Auch wenn das in der “normalen” Metaller-Szene vielleicht noch nicht so angekommen ist – das Musiker-Kollektiv The Ocean gehört zweifelsfrei zu den wichtigsten Metal-Bands aus Deutschland.

Vö: 02.11.2018 Pelagic Records iTunes LP kaufen

Von ihren Hardcore-geprägten Anfängen aus haben sie sich zu einer international hoch angesehenen Post-/Progressive-Metal Band gemausert, deren Alben als Gesamtkunstwerke zu verstehen sind. Das beginnt bei den thematischen Konzepten, die jedes Album begleiten, und erstreckt sich bis zu den meist sehr aufwendigen Verpackungen ihrer CDs und vor allem der Vinyl-Veröffentlichungen. Man denke da nur an die Acryl-Box von “Pelagial”, die das ozeanische Konzept auf die Spitze trieb und die Vinylscheiben unter mehreren Acrylplatten versteckte, die die verschiedenen ozeanische Schichten darstellen sollten.

Mit dem zweigeteilten “Phanerozoic”, dessen erster Teil “Phanerozoic I: Palaeozoic” nun veröffentlicht wird, geht es ganz weit zurück, zu prähistorischen Zeiten als sich Flora und Fauna über Jahrmillionen entwickelten.

“Phanerozoic” versteht sich dabei inhaltlich als Verbindung zwischen dem “Precambrian” Album (2007) und “Heliocentric/Anthropocentric” (2010). Nach dem sehr ruhigen Intro “The Cambrian Explosion” ist man mit den folgenden Tracks, die zwischen 3 und 11 Minuten lang sind, gleich im gewohnten The Ocean Territorium. Walzende Riffs, ruhige Passagen, die gerne und oft in brachialen Explosionen enden und über allen thront der veritable Gesang von Robin Staps und vor allem von Loïc Rossetti, die das ganze Spektrum zwischen Klargesang und Sludge-Gebrülle beherrschen.

Musikalisch also keine wirklichen Überraschungen im Hause The Ocean? Jein.

Als alteingesessener The Ocean Fan findet man sofort den Zugang zu dem Album. Aber sie haben ihren Stil noch weiter verfeinert, noch mehr Detailverliebtheit an den Tag gelegt. Im längsten Stück “Devonian: Nascent” (mit Guest-Vocals von Katatonias Jonas Renkse) erkennt man sogar den Einfluss einer Band wie Mono, mit denen The Ocean eine Split-EP und eine gemeinsame Tour verbindet. Trotzdem ist immer noch genug Energie in den Songs gespeichert um live für ordentlichen Wellengang im Pit zu sorgen.

Mittlerweile ist der Bandname Programm, wie der Ozean selbst kann die Musik mal seicht und angenehm sein, aber ein Umschwung macht es zu etwas kräftigem, bedrohlichen, dem man sich stellen muss.

Die hervorragende Produktion tut ihr übriges dazu, dass man dies Album sowohl unter dem Kopfhörer als auch mit voller Lautstärke aus den Boxen genießen kann. Interessierte, deren Erstkontakt mit The Ocean dieses Album sein wird, dürften sogar vielleicht etwas schneller Zugang finden als mit den früheren Werken.

Aber genau wie bei den früheren Alben gilt: man muss es oft hören. Bei The Ocean waren schon immer die Details das entscheidende, die kleinen Feinheiten, die bei einem ersten Anhören gerne erstmal gar nicht wahrgenommen werden, weil so unglaubliche viele Schichten in einem Song versteckt sind. Irgendwann entwickelt sich aber eine Art Sucht, man möchte immer und immer wieder in die Tiefen des Sounds abtauchen. Wer möchte, kann das Album auch als reines Instrumentalalbum erwerben. Entweder separat oder zusammen mit der normalen Version in den Deluxe-Veröffentlichungen.

Im Grunde genommen würde ich gerne die Höchstnote zücken. Aber eigentlich macht man das nur bei Alben, die auch den “Test of Time” bestehen (wobei ich hier keine Zweifel habe) und streng genommen muss “Phanerozoic I: Palaeozoic” in Kombination mit dem 2019 erscheinenden zweiten Teil als ein Gesamtkunstwerk betrachtet werden. Und – das ist jetzt nur meine persönliche Meinung – bin ich überzeugt, dass The Ocean DAS Überalbum noch liefern werden. Man darf gespannt sein, was das Kollektiv uns noch servieren wird. Zeitliche Epochen gäbe es ja noch genug.

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