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2010 gegründet und inzwischen lediglich zwei kurze EPs veröffentlicht, haben die aus Manchester stammenden The Slow Show recht lange auf ihr Debüt-Album warten lassen. Doch die Wartezeit hat sich gelohnt: „White Water“ bietet zutiefst emotionale Songs, die zeitweilig gar die Lehrmeister der Indie-Melancholie The National vor Neid erblassen ließen.

LP kaufen Vö: 06.03.2015 Haldern Pop

Im beeindruckenden Bariton gesteht Sänger Robert Goodwin gleich zu Beginn des Albums: „I’m sorry I’m leaving, but I don’t think I would stand it here.“ Es ist einer der coolsten, schmerzlichsten und bewegendsten Momente, die dieses Musik-Jahr bislang zu bieten hatte und wohl überhaupt haben wird. Nach nur einer Minute des Openers „Dresden“ offenbart sich also die volle Tragweite des Albums der Mancunians. Sie setzen auf die Intensität des Gesangs, während Gitarren, Bass, Schlagzeug, Bläser und Streicher zu Zeugen eines schier untröstlichen Kummers werden.

In solchen Soundgefilden angesiedelt, müssen The Slow Show nur allzu oft den Vergleich zu The National erdulden – wenngleich der sicherlich hausgemacht ist, wie es ihr Bandname, nach einem Song der Amerikaner, vermuten lässt. Doch The Slow Show machen einiges anders. Manches vielleicht schlechter als die vermeintlichen Vorbilder. Anderes aber – und ja, ich traue mich das hier zu sagen – besser als The National. Denn die Briten scheinen sich noch offener zur größten Stärke beider Bands zu bekennen: der Melancholie im Mid-Tempo-Bereich bei einer gewissen Intimität und Ruhe. Und dabei gelingt es The Slow Show, streckenweise abwechslungsreichere Song-Strukturen und Spannungsbögen zu kreieren, als sie etwa, so gut das Album auch sein mag, auf „Trouble will find me“ zu finden sind. Zugegeben, „White Water“ als Gesamtes behält gewissen Leerlauf. Da gibt es Augenblicke, in denen sich Trägheit ausbreitet, sich die Gemütslage der Songs zu rührselig anfühlt, abnutzt und das Ganze einfach etwas schwülstig wird.

Doch das ist Gemecker auf höchstem Niveau. Denn das Album ist vollgepackt mit herausragenden Songs, mit Charakter, tiefen Gefühlen und Gänsehaut-Momenten. Etwa der abschließende Refrain von „Long Way Home“, in dem die Bläser so hoffnungsvoll wie resigniert klingen, die herzzerreißende Story von „Brother“, die treibenden Drums, während Goodwin nicht aufhört, seiner „Augustine“ die Abschiedsworte ins Ohr zu säuseln: „This time is a very bad time for the two of us, so you gotta let me go.“ Wo wir schon dabei sind: In seinen Texten widmet er sich, wie erwartet und wie es nicht anders sein könnte, den großen Themen des Lebens: Liebe, Tod und dem ganzen Drumherum. Es sind zutiefst intime Songs und dennoch sprechen sie ein universelles Gefühl an.

Wären nicht diese paar Lückenfüller, die besonders auf einem Erstlingswerk, das noch dazu ohne Zeitdruck entstanden zu sein scheint, nichts zu suchen haben, „White Water“ wäre nicht nur Anwärter darauf, sondern so viel steht fest, ein Album des Jahres. Doch welche Band schafft es schon, ein perfektes Debüt hinzulegen? Oder, was das angeht, ein vollkommen makelloses Album an irgendeinem Punkt in ihrer Karriere? The Slow Show – sie versuchen’s hoffentlich wieder. Denn da kommt noch Großes.

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