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The Soft Moon – Schwärzer als schwarz!


Luis Vasquez sieht anders aus, als man ihn sich vorstellt. Er ist klein, wirkt schüchtern und süß mit seinen lockigen Haaren und einem angedeuteten Lächeln. Dann tritt er auf die Bühne und diese Eindrücke von ihm werden von seiner Musik weggefegt. Wie an diesem Abend in der luxemburgischen Rockhal. Hier, in dem kleinsten Raum, The Floor, lässt er eine gute Stunde lang das publikum mit seinen dunkelsten Gedanken tanzen.

Nach „The Soft Moon” (2010) und „Zeros” (2012) präsentiert der Amerikaner auf seinem dritten Album „Deeper” (Captured Tracks) eine musikalische Bandbreite, die von Krautrock über Synthpunk bis zu Darkwave reicht. Mit Vasquez auf der Bühne sind der Bassist Luigi Pianezzola und der Drummer Matteo Valicelli. Zwei Italiener, die die Verbindung des kalifornischen Post-Punkers zu Italien beweisen, wo er „Deeper“ aufgenommen hat. Alle drei tragen ganz minimal schwarze T-Shirts und schwarze Jeans. Mit „Black“ aus dem letzten Album geht es los. Der martialische industrielle Touch des Songs erinnert an Nine Inch Nails, Vasquez selbst „hängt“ ab und zu am Mikrofon, wie Trent Reznor es oft tut.

The Soft Moon

Gleich merkt man: The Soft Moon klingt live genial. Dunstig ist die Atmosphäre auf der Bühne, die roten, weißen und grünen Schweinwerfer beleuchten die Musiker von hinten und lassen sie in diesen Strahlen eintauchen. Es gibt nichts, was von der Musik ablenken kann. Die einzigen Bewegungen kommen von Vasquez, der zwischen Synth, Perkussionen und Gitarre wechselt, ohne je still zu bleiben. Er tanzt, beugt sich über den Synthesizer, Schweiß läuft über sein Gesicht. Er redet nicht viel, erst nach einer guten Hälfte der Show, fragt er: „How is your Sunday?“. Und bedankt sich bei dem Publikum, zum Konzert gekommen zu sein. Doch nie hat man den Eindruck, die Band oder die Musik, die so dark und teilweise EBM-angehaucht ist, sei kalt.

Tracks wie „Dead love“, „Alive“ und der wunderschöne „Far“ sind echte Tanznnummern vom besten fesselnden Post-Punk. Vasquez umarmt und quält bis zur Verzerrung seine Gitarre. Seine Stimme, die vor allem bei den Songs aus dem letzten Werk zur Geltung kommt, wiederholt die Mantra-artige Lyrics, manchmal verzerrt manchmal hell und klar, manchmal schreiend . Er tänzelt hin und her, das Publikum macht bei diesem Tanz mit. Die ganze Zeit dröhnt bedrohlich und hypnotisch der Bass, der einen kontinuierlichen schwarzen Klangteppich kreiert. Der Drummer haut präzise auf das Schlagzeug.

The Soft Moon

Rauer, unmittelbarer und noch intensiver ist die Musik von The Soft Moon live. Wie zum Beispiel bei dem Song „Being“ aus dem letzten Album, der so verzweifelt ins nirgendwo führt. Vasquez wählt aus den drei Alben die energetischsten Tracks, es ist ein Schlag nach dem anderen, draußen bleiben Songs, die eher introspektiv sind, wie „Wasting“, „Without You“ oder „Deeper“. Das ist schon schade, doch noch kein Grund, an der Show etwas zu bemängeln. Vor allem bei den percussion-starken, tribalen Tracks wie „Want“, die das Konzert abschließt, entfacht sich diese mitreißende Wucht komplett. Der Sänger wirbelt auf Bongos und bearbeitet zum Schluss mit Schlagzeugstöcken ein Fass.

Es ist schon irgendwie komisch, so inbrünstig zu tanzen, wenn jemand mit geschlossenen Augen Sätze wie „Cos I was born to suffer/It kills my mind/It kills me inside“ singt. Doch das ist, was Luis Vasquez mit The Soft Moon schafft. Eine Art Katharsis. Er nimmt das Dunkelste aus ihm heraus und wandelt es in harte, berührende Schönheit.


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