Cargo-Vinylaktion

Interview mit The Tidal Sleep Gitarrist Marc.

Erst „Be Water“, jetzt „Be Kind“ – Was haben der Album- und der EP-Titel miteinander zu tun?

Dass sich die Titel ähneln ist natürlich kein Zufall. Wir hatten für „Be Water“ sehr viel Material geschrieben und wir haben bei der Aufnahmesession damals eine Unmenge an Songs aufgenommen. Als wir uns dann darüber unterhalten haben, welche Songs in welcher Reihenfolge auf das Album sollten, waren wir uns alle nach intensivem Hören und Abwägen darüber einig, dass die vier Songs von der neuen EP nicht auf das Album passten: Weil sie irgendwie ihre eigene, spezielle Art von Flow und Dynamik besitzen, die unserer Meinung nach nicht richtig zu dem Be Water-Konzept passen wollte, die Songs aber trotzdem in sich geschlossen wirkten. So beschlossen wir, dass wir noch eine EP raushauen wollten, auf der die Songs dann den Platz und die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen gebührt.

Für den Titel gab es diverse Vorschläge und Ideen. Wir sind dann auf „Be Kind“ gekommen, weil wir uns zu der Zeit sehr viel darüber unterhalten haben, was in dieser Welt alles schief läuft, was wir dagegen tun können und dass es immer erschreckender wird, welche Grausamkeiten sich Menschen gegenseitig antun können. Der Titel soll eine Erinnerung daran sein, dass man generell im Umgang mit Menschen respektvoller und netter sein sollte – dann würde vielleicht auch die Welt ein Stück besser werden. Dass das aber nicht einfach ist und dass diese Art von Philosophie durchaus auch problematisch sein kann, soll sich eben auch im Artwork und der Musik widerspiegeln. Generell schließt der Titel den Zyklus, den wir mit Be Water begonnen haben. Kurz: Ziemlicher Hippiescheiß also. (lacht)

Wo, wann und mit wem habt ihr die EP denn aufgenommen?

Die Instrumente haben wir Ende 2016 im RAMA-Studio in Mannheim aufgenommen. Die Vocals hat Nic bei seinem Freund Dimi eingesungen, der die beiden Platten auch gemischt hat.

Wie lange haben die Aufnahmen gedauert?

Die Instrumente waren nach einer guten Woche drin. Die Vocals haben sich über mehrere Sessions und Monate gezogen.

Apropos Vocals: Bei Be Water war ich mir anfangs sicher, dass der klare Gesang nicht von eurem bandeigenen Schreihals Nic, sondern vom früheren Waterdown-Sänger kommt. Wer ist tatsächlich für die cleanen Gesangsparts zuständig?

Die Waterdown-Platten sind uns nicht so geläufig, können da also gerade nicht vergleichen. „Zuständig“ ist Nic eigentlich selbst, denn was viele nicht wissen, ist, dass er in seinen Vorgängerbands eigentlich immer clean gesungen hat und sein Schreiorgan erst bei uns ausgepackt hat. Nic hatte für die Songs Demos aufgenommen und hat dann immer mal wieder clean gesungen. Er wollte wohl schauen, wie wir reagieren, denn viele trauen sich ja da überhaupt nicht dran, weil Schreigesang mit cleanen Vocals schnell käsig wirken kann. Was soll ich sagen, wir waren uns alle einig, dass die wenigen Parts perfekt passen und den Songs und den Lyrics dadurch vom Gesang her auch eine andere, subtilere Färbung geben. Außerdem provoziert es Puristen bestimmt auch ein bisschen.

Dann wird Triggers den Puristen ein Dorn im Auge sein: Der Song ist der „poppigste“ auf der EP und steht außerdem an letzter Stelle – geben Sogas, Footsteps und Triggers die künftige Richtung vor? Wohin geht euer Sound?

Über Triggers haben wir sehr lange gebrütet. Ich war mir sogar damals sicher, dass der Song am Ende verworfen wird. Gut, dass wir das nicht gemacht haben. Denn, als der Gesang komplett fertig war, waren wir alle schwer begeistert. Er ist zwar kein typischer The Tidal Sleep-Song, passt aber dennoch perfekt zu uns, wie wir finden. Unser Sound besitzt viele Kontraste und hier haben wir eben eine Farbe hinzugemischt.

Wohin die Reise geht, überrascht uns immer wieder selbst. Wir möchten uns da nicht unnötig einengen und Vorschläge sofort abwürgen oder bestimmte Dinge kategorisch ausschließen. Wenn alle es mögen, machen wir’s so und solange wir noch genug Vorstellungskraft haben, wird das auch so weiter gehen. Das neue Material, was wir bis jetzt haben, klingt auch schon wieder ein wenig anders.

Welche Bands beeinflussen euch beim Schreiben eurer Songs grundsätzlich am meisten?

Sehr schwer zu sagen, weil es so vielschichtig ist. Wir schicken uns sehr regelmäßig gegenseitig Albumtipps und gehen viel auf Shows und unterhalten uns darüber, was wir sehen und hören. Grob reduziert lässt es sich vielleicht auf irgendwas zwischen altem Deep-Elm-Emo, Engine Down, Envy und Mogwai runterbrechen.

Alle vier Songs der EP sind kürzer als drei Minuten. Braucht ihr nicht mehr länger, um alles zu sagen?

Tatsächlich wollten wir mal ein paar kürzere Songs haben, als wir das ganze Material geschrieben haben. Das hier ist jetzt aber Zufall. Generell ist ein Song dann am besten zu Ende, wenn alles gesagt ist. Ihn unnötig in die Länge zu ziehen kann fatal sein und alles ruinieren, was man vorher aufgebaut hat. Die Kunst besteht jetzt darin, dass man sich also „nur“ noch darüber einig sein muss, ob alles gesagt ist. (lacht)

Mannheim/Karlsruhe/München/Berlin/Leipzig – seid ihr tatsächlich so verteilt, wie eure Facebook-Seite glauben machen will? Oder war das schon zur Gründung der Band die Ausgangssituation?

Das ist wirklich kein Witz. Die Verteilung ist seit 2013 tatsächlich so. Die Band hat sich aber ursprünglich in Mannhei und Karlsruhe gegründet. Nic ist dann nach Berlin gezogen und Matze und ich sind ja 2013 erst dazugekommen.

Werdet ihr also auch mittel- bis langfristig Teile eures Jahresurlaubs für eure Touren opfern oder macht das Familienleben die Bandsache immer schwieriger?

Die Antwort ist „Ja“! (lacht) Es ist natürlich nicht einfach, aber wenn man sich gut abspricht, organisiert und wenig Schlaf in Kauf nimmt, ist alles Mögliche machbar. Wir sagen uns immer, dass wir uns das „Spiel“ jedes Jahr konsequent ein Level schwerer machen, um es interessant zu halten.

Ein ganz persönliches Anliegen noch: Warum geht Süddeutschland bei der Tour im Herbst komplett leer aus?

Das ist ganz einfach. Aus Zeitgründen möchten wir auf einer Tour lieber mehr außerhalb von Deutschland spielen, weil man die Strecken dann besser zurücklegen kann. Für eine Tour müssen sich außerdem alle meistens Urlaub nehmen und Shows in Deutschland können wir auch an einem Wochenende über das ganze Jahr machen. Dass jetzt auf der Tour ein paar Shows in Deutschland dabei sind, liegt eher am Routing und hat sich zufällig so ergeben. Süddeutschland steht aber definitiv auf der To-Do-Liste.

The Tidal Sleep – Be Kind

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