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Wenn ein Albumtitel die Größe eines künstlerischen Werkes beschreiben soll, kommt so mancher Künstler an seine eigenen kreativen Grenzen. Auch in diesem Fall wurde der Albumtitel „Across The Universe“ vermutlich aus diesem Grund so gewählt.

Vö: 08.05.2020DIYSpotify

Die imaginäre Reise durch die unvorstellbare Weite des Universums soll dem Hörer schon Vorab einen Eindruck des Albums geben. Und auch hier ist der Künstler wie oben beschrieben an seine Grenzen gekommen. Der Titel passt nicht wirklich. Was der geneigte Klavier Fan hier zu hören bekommt, ist deutlich größer, weiter und vielschichtiger als das Universum sein könnte. Auf musikalischer Ebene natürlich. Auch ist eine Reise hier nur schwer möglich. Reisen sind immer zeitlich begrenzt, haben also einen Anfang und ein Ende – und auch das kann ich hier nicht bestätigen.

Dieses Album kann auf Repeat ewig laufen und würde in meiner noch verbleibenden Lebenszeit absolut nicht langweilig werden.

Es gibt keinen Anfang und gefühlt auch kein Ende. Songs fließen in einander und Strukturen bauen sich ständig neu auf, um im nächsten Moment wieder in einer wundervollen Art und Weise in sich zusammen zu fallen.

Thilo Schölpen scheint das Raum- / Zeit Kontinuum mit seinem Klavier neu zu definieren.

In atemberaubender Art und Weise flitzen hier seine 10 Finger über die Tasten des Klaviers und kreieren dabei eine schwer zu beschreiben Magie. Das Klavier ist hier sowohl Rhythmus-Instrument als auch Melodiegeber. Das Spiel des Künstlers ist dabei sowohl virtuos als auch gefühlvoll. Bei Apple Music läuft das Album unter dem Stempel „Zeitgenössischer Jazz“ und ich finde, dass das Across The Universe nur annähernd gerecht wird.

Was der Hörer hier auf dem Klavier zu Hören bekommt ist ein Mix aus Klassik, Jazz, Techno, Rock und Pop – dargeboten nur mit einem Klavier.

Was das Werk so beeindruckend macht, ist aber nicht die Stilvielfalt, sondern eher die außergewöhnliche Begabung des Künstlers, Stimmungen zu erzeugen, die den Hörer einfach nicht mehr loslassen. Seine Virtuosität wirkt niemals aufgesetzt sondern dient immer dem Song selbst. Thilo Schölpen ist ganz offenbar ein äußerst kreativer Kopf der es schafft, dank Spieltechnik und musikalischen Visionen sein eigenes Universum perfekt zu vertonen. Wer ist dieser Mann? Warum kann er mit seinen 10 Fingern mehr sagen als manche 8-köpfige Band?

Thilo Schölpen studierte Jazz-Klavier an der Amsterdamse Hoogeschool voor de Kunsten und er sagt selbst, dass seine Musik von Beatnik, Film Noir, Free Jazz, New Wave, Avantgarde, Fluxus, Neue Musik und Pop Art inspiriert sei. Wenn man die ausschweifenden Kompositionen des Künstlers auf Across The Universe hört, merkt man, dass die eigenen Inspirationen des Künstlers nicht einmal annähernd die musikalische Bandbreite des Albums beschreiben können. Das hier ist wirklich Innovation auf höchstem Niveau.

Die 10 Stücke des Albums erstrecken sich über 43 Minuten und sind alle auf allerhöchstem Niveau. Der Klang des Klaviers ist direkt und brilliant und gibt den Stücken genug Raum um zu atmen. Thilo Schölpen besitzt offenbar auch Humor wie der Songtitel Play Like Damon Albarn Sings beweist.

Einzelne Songs hier herauszustellen würde absolut keinen Sinn ergeben. Jeder Stück des Albums sitzt genau an der richtigen Stelle um wahre Emotionen beim Hörer hervorzurufen. Mein Problem bei einer Beschreibung der einzelnen Stücke ist aber, dass mein Wortschatz nicht einmal ansatzweise die Größe und Schönheit dieses seltsam unkonventionellen Werkes beschreiben könnte. Danke Thilo Schölpen, ich bin beeindruckt und glücklich. Einen Tipp hätte ich aber noch für das Album – natürlich nur wenn es möglich ist. Ich fände „In Paradise“ einen treffenderen Albumtitel. Meisterwerk.

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Zusammenfassung
Was der Hörer hier auf dem Klavier zu Hören bekommt ist ein Mix aus Klassik, Jazz, Techno, Rock und Pop - dargeboten nur mit einem Klavier.
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