This Social Coil legen mit ihrem zweiten Album „Time“ ein beachtliches Werk vor, das vor allem durch die verträumte, dichte Atmosphäre und das stimmige Konzept besticht.

Als ob Jakob mit ihren mäandernden Delay-Gitarren und die späten Talk Talk bei einem Kaffee über Sartre dialogisieren würden. Na, zumindest so ähnlich kann man sich den Sound von This Social Coil vorstellen. Getragener, fast weihevoller Gesang – irgendwo zwischen Dave Gahan und Peter Steele – entführt dazu in höhere Sphären.

This Social Coil kommen aus Aachen. Direkt an der Grenze zu Belgien, und doch immer noch in Deutschland. Keine echte Großstadt, dennoch gesegnet mit einem ganz eigenen Charme und der regen Kreativität, die die vielen Studenten mit sich bringen. Soweit zumindest das Klischee.

Klanglich sprechen This Social Coil eine – gewissermaßen – internationale Sprache. Langsam und bedächtig entfalten sich die Songs. In den Opener „Red Water“ wird man durch die anschwellenden Pad-Sounds regelrecht hinein gesogen, wobei eins schnell klar wird: This Social Coil lassen ihrer Musik auffallend viel Raum. Das Gewebe aus hallenden Singlenotes, warmen Flächen und den kurzen, elegischen Gesangsphrasen ist sehr dicht und vielschichtig, scheint dabei aber doch immer zu atmen und an den richtigen Stellen innezuhalten.

Dieses Konzept wird das ganze Album über durchgehalten und überzeugt auch über weite Strecken. Die Gitarren klingen unglaublich raumgreifend, eben ähnlich wie bei den Echo-Experten von Jakob, wo schon ein einzelner Akkord sich als Klangwelle bis zum Horizont auszubreiten scheint. Einige Songs – wie etwa „Coil“ – erzählen ihre Geschichte rein instrumental, auch das funktioniert problemlos.

Die Band beschreibt ihre Musik selbst als Mix aus Postpunk, Postrock, Ambient, Shoegaze und Alternative. Ein gewisser New Wave-Einschlag lässt sich nicht von der Hand weisen. Klangästhetisch ist die Band ganz offenbar vor allem in den Achtzigern sozialisiert, was sich mit dem musikalischen Inhalt bestens zusammenfügt.

This Social Coil legen mit ihrem zweiten Album „Time“ ein beachtliches Werk vor, das vor allem durch die verträumte, dichte Atmosphäre und das stimmige Konzept besticht. Alle Instrumente sind live im eigenen Studio eingespielt, oft hört man zwei Bässe und zwei Gitarren zugleich. Ein Großteil des Equipments stammt offenbar aus eigener Herstellung. Diese Umstände geben This Social Coil eine gestalterische Freiheit, wie sie jedem Musikschaffenden nur zu wünschen ist.

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