© Tomasz Kasiarz
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Das Essener Label Midira Records veranstaltet in seiner Reihe Moving Noises in unregelmäßigen Abständen Konzerte aus dem Bereich Ambient, Drone, Noise und Dark Jazz.


Am 21.10. war es wieder einmal so weit und die Musik-Jünger konnten sich wie üblich in der Christuskirche Bochum einfinden. Auf dem Spielplan standen das Soloprojekt thisquietarmy des Kanadiers Eric Quach, der von Nystagmus-Schlagzeuger Tom Malmendier unterstützt wurde, sowie Dirk Serries aus Belgien. Der Abend bestand aus drei Sets: Dirk Serries solo, thisquietarmy mit Tom Malmendier sowie abschließend einer gemeinsamen Performance aller drei Künstler.

Die Christuskirche bietet mit ihrer Kargheit, der Beleuchtung und der Akustik eine Atmosphäre sakraler Erhabenheit und Leere, die sich sehr gut dazu eignet, mit Klängen aus Ambient, Drone und Noise gefüllt zu werden, wodurch sich ein sehr meditativer Charakter ergibt. Es ist wie mit dem eigenen Kopf, der – einmal geleert – sich mit Kopfkino füllt. Nicht umsonst zählt Eric Quach sie zu seinen liebsten Veranstaltungsorten.

Dirk Serries

Dirk Serries war mit zwei neuen Stücken angereist. Er ist für eine große Bandbreite bekannt. Vom ganz leisen, fragilen Ambient bis zur dunklen, fetten Drone/Noise-Breitseite ist bei ihm alles möglich. Dieser Abend sollte einiges aus diesem Repertoire vereinigen.

Im ersten Stück erzeugte Serries mit singenden, schwebenden Elementen und Loops ein angenehmes Gefühl des Treibens. In dieses mischten sich jedoch bald dunklere Anteile, die immer weiter zunahmen und sich unerbittlich verdichteten. Man stelle sich vor, man treibe im Weltraum und etwas ungeheuer massives, gigantisches nähere sich unaufhaltsam. Der Gedanke an ein schwarzes Loch liegt nicht fern. Und just, als es vorbeizuziehen scheint, wird alles verschluckt und das Stück endet. Stück Nummer zwei begann ebenfalls sehr ruhig, nahm aber schnell einen lebhafteren Charakter an. Wie eine Wiese an einem Sommertag, durch die sanft der Ambient-Wind streicht, über die Vögel fliegen und in der es krabbelt. Auch hier hinein mischten sich dunklere Töne. Der Wind schwoll an, Wolken zogen auf, bis ein veritables Drone-Gewitter tobte. Aber auch das stärkste Gewitter zieht wieder vorbei und es kehrt langsam wieder Ruhe ein.

thisquietarmy

Die experimentelle Musik von thisquietarmy ist schwer einzuordnen. Es finden sich Elemente aus Ambient, Drone, Noise, Post Rock, Shoegaze, Industrial, Gothic, (Black) Metal, in veränderlichen Anteilen und mitunter auch alle in einem Stück. Laut Eric Quach sind Emotionen und Bilder die Quelle. Typisch für seinen Sound sind vielschichtige Gitarren-Loops, teilweise ergänzt durch Synthies und eine Drummachine. Über diese zieht die charakteristisch verfremdete Gitarre ihre Bahnen. Bei diesem Auftritt ersetzte Tom Malmendier im ersten Stück die Drummachine und setzte behutsam eigene Akzente. Dies reduzierte zwar den Industrial-Charakter, brachte aber interessantes ins Spiel. Es folgte eine Solo-Improvisation und abschließend, wieder mit Schlagzeuger, ein Stück aus dem aktuellen Album Democracy Of Dust, bei dem Quach Synthesizer etwas spielerischer einsetzt.

Und jetzt alle…

Im dritten Teil gesellte sich auch Dirk Serries hinzu und die Rollenverteilung wurde verschoben. Serries und Quach nahmen sich hier zurück und woben einen dichten, fließenden Drone-Teppich, auf dem sich Tom Malmendier mal hier, mal dorthin tänzelnd bewegte. Assoziationen zur o.g. Wiese mit im Makrobereich beobachtetem Insektengewimmel oder den lebhaften Strömen von Fußgängern in einer Großstadt kamen auf. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Musiker in diesem Bereich aufeinander einstellen können und sich stückdienlich verhalten.

In der Szene dieser Genres geht es nicht nur musikalisch mit einer gewissen Kargheit zu, auch der Kontakt mit dem Publikum war während der Auftritte sehr zurückgenommen. Dafür ging es außerhalb deutlich herzlicher zu und die Musiker zeigten sich sehr aufgeschlossen und gut aufgelegt. Schlagzeuger Malmendier wurde ein wenig kollegial damit aufgezogen, dass er sich bei thisquietarmy zurückhalten musste und im dritten Teil endlich loslegen durfte. Der eine oder andere musste kurz an »Das Tier« der Muppets denken.

Insgesamt ein großartiges Konzert mit bestens aufgelegten Musikern in wunderbarer Atmosphäre.

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