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Ungebunden, wild, frei: Tigeryouth

Wie kaum ein anderer deutscher Singer-Songwriter steht Tilman Benning für die mythische Figur des modernen Hobos, der sich ganz der Musik verschrieben hat und sich als Tigeryouth von seiner Leidenschaft und Rastlosigkeit quer durch’s Land treiben lässt. Kaum eine Stadt, die er nicht bereist hat, den Stift gezückt, die Gitarre im Anschlag, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer oder zumindest de nächsten Theke.

Ich werfe Geld auf den Menschen hinter’m Tresen
Ich lasse Flaschen fallen in das Loch hinter den Zähnen
Der Taxifahrer kriegt meine Bankkarte in die PiN
Ich will noch nicht nach Hause
Fahr mich irgendwo hin

Tigeryouth

Soweit die Theorie. Auf seinem selbstbetitelten Album-Debut rechnet Tigeryouth allerdings gehörig mit diesem romantisierten Ideal ab und widmet sich der Kehrseite des Bierdeckels. Schielt halb spöttisch, halb neidisch auf die wohlgeordnete Heimeligkeit der Vorgärten. Verflucht die Musik, die ihn so oft viel zu früh aus den Armen seiner Freundin treibt. Fragt sich, für wen er eigentlich Lieder schreibt und stellt Ideale in Frage, die sich auf Bannern und Stickern so schön lesen, die der Alltag aber oft falsch buchstabiert. Nachdenklich, melancholisch, ehrlich: Tigeryouth.

Zu Tilmans Akustik Gitarre und Rauch getränkter Stimme gesellen sich erstmals auch verstärkte Gitarren, Schlagzeug und eine ganze Reihe namhafter Gaststimmen aus der deutschen Punkszene wie Jörg Mechenbier (Love A) oder Jan Arne von Twistern (Captain Planet), die leider meist als in den Hintergrund gedrängte Backing Voices verhallen. Eine Ausnahme bildet hier „Lauter“, der wütendste Track des Albums, auf dem Tigeryouth mit der Man-wird-ja-wohl noch-sagen-dürfen-Mentalität abrechnet, die hier zu Lande momentan um sich greift:

Egal wo ihr marschiert

Wir werden da sein

Und egal was ihr skandiert

Wir werden immer lauter sein

Denn trotz aller Grauschattierungen von Ängsten und Zweifeln, die den Grundton von Tigeryouth prägen, steht dennoch über allem der Wunsch, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Durch Taten, Lieder, Selbstreflexion und, verdammt nochmal, vielleicht auch durch ein spießiges Blumenbeet im Vorgarten.

Tigeryouth Tracklist:
01. Blumenbeete
02. Herz schultern
03. Angst
04. Magdeburg
05. Stein auf Stein
06. Aufgewacht
07. Lauter
08. Mammon
09. Bis zum ersten Zug
10. Auf den Knien
11. Im Taxi
12. Die müden Straßen

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Bewertung der Autorin Sabrina Blaess
Zusammenfassung
Denn trotz aller Grauschattierungen von Ängsten und Zweifeln, die den Grundton von Tigeryouth prägen, steht dennoch über allem der Wunsch, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Durch Taten, Lieder, Selbstreflexion und, verdammt nochmal, vielleicht auch durch ein spießiges Blumenbeet im Vorgarten.
3.5
Leser Bewertung 4.38 ( 4 Bewertungen)
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