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Singer-Songwriter mit dezenter Unterstützung und punkiger Seele.

Vö: 28.09.2018 Homebound Records iTunes LP kaufen

Hinter Travels & Trunks verbirgt sich ein Musiker aus Dortmund, der mal mit und mal ohne Backingband anzutreffen ist. Auf „I Get Along“ hat er sich mit ein paar Leuten zusammengetan und schafft es so, ein wenig Aufregung in seine Songs zu bringen. Ein wenig. Nicht zu viel. Wir haben es hier immer noch mit einem wirklich ruhigen Album zu tun.

Nach einem anschwellenden Intro, mit dezentem Gitarreneinsatz und vielschichtigen, beinahe gospelartigen Chören, scheppert ein satter Akkord ins Geschehen und eine kurze Irreführung beginnt. Hört man „Weeping And Wailing“ und „The Lower Lights“, denkt man sofort an alles, was in den letzten Jahren nach The Gaslight Anthem kam, was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass das deswegen schlechtere Songs sind. Nein, ganz und gar nicht! Sehr angenehm fällt der weibliche Sidekick mit einer zuckersüßen Stimme in den Harmonien auf, die wunderbaren Chöre und Akzente wie Handclaps ebenso. Wenn man aufmerksam hinhört, merkt man auch, dass die Aufnahmesessions hier Spaß gemacht haben müssen, anders bekommt man eine solche Stimmung kaum gebannt.

Spätestens mit dem saucoolen „Irene“ wird klar, dass bei Travels & Trunks mehr dahintersteckt, als der tausendste Springsteen-Klonversuch.

Die gefühlvolle, leicht verbrauchte und angenehm kratzige Stimme des bruceseidank akzentfrei singenden Dortmunders wird von unter anderem Bottleneck-Gitarren untermalt und passt einwandfrei in jede verrauchte Kneipe. Die ganze Musik klingt nicht mehr nach Road-Trip-Low-Life-Heartbreak-Baukasten, sondern höchst eigenständig!

Richtig fein sind die beiden folgenden, überwiegend ruhigen Stücke.

„Don’t Let Me Wait(Too Long)“ besteht vorwiegend aus Akustikgitarre und Gesang und schließt man die Augen, hört man die Bedienung der Pinte im Hintergrund die Stühle hochstellen. Es geht dylanesk zu, die weibliche Unterstützung passt ganz wunderbar und die eingestreute Hammond-Orgel kommt auch keine Sekunde zu früh. „It’s Alright. Just Pass Me The Gloves“ startet mit Rhodes und Stimme, bis sich nach einiger Zeit Bottlenecktöne und sehr dezente Drums dazu gesellen. Nach einem Intermezzo, bei dem die Dame ganz alleine auf die Bühne darf, schwillt alles zu einer popigen Klangmauer an. Der mit Abstand emotionalste Moment auf „I Get Along“.

„The Medicine“ hat seine Wurzeln offenbar in den 70er Jahren. Zumindest klingen die twangigen Gitarren und die unterstützende Hammondorgel danach.

Schade, dass ich vor Jahren mein Cabrio verkauft habe, das hätte man gut ins Tapedeck stecken können.

Kommen wir zum absolut besten Song des Albums: „(Stu I guess) I’m A Coward“! Ein dreckiges und eckiges Gitarrenriff und Harmonien für die eigentlich nur der gute Tom Waits Pate gestanden haben kann. Spätestens wenn das Fingerschnippen und die Western-Huh-Hahs beginnen, haut es einen glatt vom Sessel. Großartig!

Nach dem seltsam nebeligen, balladesken „Ginger Rogers“ kommt noch ein kurze Outro und die Kneipentür schließt zur Putzstunde.

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