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Zeitlos, schmissig, authentisch – Weit mehr als schnöder Rockabilly.

Vö: 14.09.2018 FBP Music iTunes LP kaufen

Also, normal bin ich ja eher skeptisch, was Bands angeht, die Retromusik in egal welcher Form machen. Immer mal wieder, zugegeben nicht besonders häufig, werden mir auch echte Perlen zu gespielt. Das erst kürzlich auf der Bildfläche aufgetauchte Trio Trouble In Mind aus Aschaffenburg und ihr Debütalbum dürfen hier ausdrücklich dazu gezählt werden.

Ganz klassisch besetzt mit zwei Gitarren und einem Kontrabass und veredelt durch die energische und markante Stimme des Sängers, wird hier in einer knappen halben Stunde gefeiert, getanzt und geschmachtet.

Es gibt weder Längen, noch Einbrüche, jeder Song ist genau da, wo er sein sollte und „Whole Lotta Trouble“ funktioniert von dem Moment, an dem die Nadel in die Einlaufrille eintaucht.

Bereits der Titeltrack macht unmissverständlich klar, mit was wir es hier zu tun haben: Beschwingter Rockabillysound mit deutlicher Rock’n’Roll-Schlagseite. Der Anfangsverdacht, dass eine Band ohne Drums Schwierigkeiten haben könnte, Druck aufzubauen, wird durch das virtuose und ungestüme Bassspiel und das grundsolide Akustikgitarrenfundament restlos ausgeräumt. Dazu kommt die anspruchsvolle, stets auf den Punkt gebrachte Gitarrenarbeit mit dem rechten Verhältnis aus Licks, Soli und dem korrekten Anteil an Twang.

Es klingt, das muss man sagen, nicht per se so als wäre alles in einem modernen Studio aufgenommen. Zwar perfekt ausgewogen und frisch, aber dennoch so authentisch als sei die Musik in den frühen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts entworfen und aufgezeichnet worden.

Das arschcoole „Like A Dog“ bringt noch etwas mehr Rock’n’Roll ins Spiel, während spätestens mit „Stop Cryin‘“ auch wieder ganz andere Einflüsse spürbar werden. Die sich hartnäckig im Hirn festfressende Melodie wird durch kernige Rag- und Countryanteile gestützt. Die etwas an die 50s erinnernde Halbballade „100 Times“ wartet an richtigen Stellen mit gedoppeltem Gesang auf und fügt sich perfekt in die Szenerie ein. Nach dem wieder eher countryesken Schunkler „Right On“, folgt mit „Urgent Call“ der erste Höhepunkt des Albums. Es brummt und scheppert und es scheint unmöglich, mit dem Hintern auf der Couch sitzen zu bleiben. Mit Unterstützung einer Bluesharp wird es hier richtig dreckig und rock’n’rollig und dazu wird zudem ein ganz schön geiles Solo abgebrannt. Auch die Stimme erreicht hier endgültig ihren Zenit!

„Don’t You Worry Bout Me“ und vor allem „Jumpin‘“ beschwören die bestmögliche Laune herauf, wobei bei letzterem wieder die Harp auftaucht und sich mit der Leadgitarrenspur um die vordergründige Präsenz prügelt.

Sehr geil, so und nicht anders tanzt man seinen Blues weg. „She Said Hello“ ist recht kurz, aber derart knackig, melodisch und mit perfekt gedoppelten Gesangsanteilen versehen, dass man nur von einem Hit sprechen kann. Das Ganze ist so melodisch, dass es längere Zeit nicht gelingt, das Hauptthema wieder aus den Ohren zu schütteln. Glaubt es oder nicht, ich summe es beim Schreiben und das wird heute auch nicht das letzte Mal gewesen sein.

Nach dem swingenden, positiven „Gotta Make It Home“, wieder mit feinen Ragtime-Elementen bestückt, kommt mit „Lucky Day“ noch mal ein letzter Anteil 50s Rock’n’Roll zum tragen und unterstreicht ein weiteres Mal die hohen Songwriting-Qualitäten des großflächig tätowierten Dreiers. Mit dem Rausschmeisser und abschließenden Schmachtfetzen „Down By The Sea“ bekommen wir noch die einzige, richtige Ballade des Albums zu hören. Nur mit angezerrter Gitarre, Stimme und klirrendem Toy Piano geht ein kurzes aber unwahrscheinlich kurzweiliges Album zu Ende.

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