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Post-Punk im Wendekreis des Indie-Rock. Warum nicht?

Vö: 05.10.2018 Tapete Records iTunes LP kaufen

Ha! Wenn ich für jedes Mal, wenn ich „…ist eine Band aus Berlin“ einer 5er überwiesen bekomme, kaufe ich mir in zwei Jahren eine eigene Insel! Unglaublich, was da los ist in der Hauptstadt. Mir fällt zudem auf, dass quasi alles Nennenswerte, was sich dem Post-Punk verschrieben hat, ebenfalls von dort kommt.

In meinen Ohrmuscheln sind heute die vier Herren von Trucks zu Gast und ich weiß schon nach den ersten Tönen, dass sie auch ein Weilchen bleiben werden.

Das Label verrät mir, dass Trucks sich „inhaltlich mit ihrer Zeit beschäftigen – der digitalen und realen Welt, Lebensentwürfen, Sprache(n), Identität, Deutschland, Vergangenheit/Erinnerung und Zukunft/Vorstellungen.“ Finde ich spannend, allerdings ist es hier genau wie bei den meisten anderen Bands des Genres: Die Texte lassen unheimlich viel Raum für Interpretationen, aber wenn ich ehrlich bin, mag ich genau das.

Musikalisch wird auch hier nicht mit besonders exotischen Zutaten gekocht.

Man beschränkt sich auf die klassische Besetzung mit Gitarre, Bass, Drums und Gesang und verzichtet dankenswerterweise auf oft zu dick aufgetragenes Tastenwerk. Besonders positiv ist hier aber die Kreativität an der Gitarre zu nennen, deren Auswüchse durchaus undurchsichtige Akkorde zutage fördert. Insgesamt wird hier gerne mal den schiefen Tönen gefrönt und man wird oft sehr angenehm an Indierock-Dinos wie Pavement erinnert oder fühlt sich gar in die frühen Tage des Grunge der späten 1980er Jahre zurück versetzt. Melodien im Post-Punk sind ja gerne mal Mangelware und auch bei Trucks wird nicht direkt inflationär damit umgegangen. Zumindest nicht auf den ersten Blick!

Wie es bei ordentlichen Alben der Fall sein sollte, erschließen sich die besten Harmoniekonstrukte erst beim wiederholten Hördurchgang. So gefällt das!

Songs wie „In d“ oder „Bei Lando“ sind regelrecht gut gelaunte Indie-Rocksongs und bestechen erst recht mit eher kryptischen, lyrischen Inhalten. Auch Noise-Kracher wie das schiefe „Aggregate“ oder „Banana“ sind auf Nicht Nichts vertreten. Eher überraschend scheint der Vierer aber auch ein paar Wurzeln im Emo-Core (allerdings der moderneren Sorte) zu haben. Das höchst großartige „Van American“ spielt hier ganz gekonnt mit den entsprechenden Stilmitteln. Feiner Erzählgesang und druckvolles Geschepper, passt ganz wunderbar zur Auflockerung eines Post-Rock-Albums. „Schmeiss dein Geld aus dem Fenster, oder dich“, das passt hier textlich auch ganz wunderbar zur Musik!

Kleines Highlight ist auch der Aufritt des Kala Brisella Fronters Jochen Haker, der sein kleines bißchen Wahnsinn im Schlusstrack einbringen kann.

Sicher, er wird hier schon mit den für das Genre üblichen Bausteinen gearbeitet, aber dafür in einer absolut einwandfreien Qualität. Genrefreunde werden hier jedenfalls ihre helle Freude haben.

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