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Tulp beginnen sehr sanft. Ein ominöser Akkord nimmt dich an die Hand, er möchte dir etwas zeigen: „Wind kommt auf, Ich schau hinaus/In die Ferne, es wartet dort“.

Was es ist, was dort wartet, werden Tulp in der nächsten halben Stunde ganz bewusst nicht beantworten. Stattdessen handelt es sich bei „Komm, geh“ um eine impressionistische Reise: Das Kölner/Münsteraner Quartett lädt auf seinem vierten Album zu einer träumerischen Expedition durch den Raum zwischen Indie-, Folk- und Post-Rock ein.

Diese Reise zeigt sich in der Wandelbarkeit der Songs: Das Intro von „Welt im Wandel“ erinnert mit seinen in leerer Luft schwebenden Gitarren an die meditative Ruhe der Stars of the Lid, bis im späteren Verlauf Akustikgitarren, mehrstimmiger Gesang und das dezente aber treibende Schlagzeugspiel von Hirzel Hirzelnsen den Song in atmosphärischen Indie-Folk verwandeln. Dazu gibt Sänger Kay Lehmkuhls Text dem Song eine zusätzliche surreale Note: „So lustige Vögel/Und du mittendrin“.

„Fehler“ tarnt sich als Diskurs-Rock mit starker Blumfeld-Note. Doch erst in der zweiten Hälfte entpuppt sich der Song als dynamisches Meisterstück: Tulp halbieren die Geschwindigkeit und lassen mit ätherischen Arpeggios die Sonne aufgehen. Nach einigen schwerelosen Takten zieht Schlagzeuger Hirzel Hirzelnsen das Tempo wieder an, eine Gitarre schraubt sich gen Himmel, Akkorde werden zu formlosen Lärmfeldern, die sich in einem kurzen aber wundervoll kathartischen Noise-Ende entladen. Das ist alles natürlich kein Neuland für Fans des neueren Post-Rocks, die Freude am ewigen Crescendo. Doch Tulp beherrschen dieses alte Spiel von Leise und Laut so gut wie kaum eine andere Band hierzulande.

Gerade in diesen dynamischen Momenten zeigt sich, dass „Komm, geh“ live eingespielt wurde: Die Rhythmusgruppe fließt ungebunden ans Metronom wie schwerelos durch Songs wie „Teilchen eingefroren“. Kay Lehmkuhls Uuuuhs und Aaaahs schweben im Opener „Das Bild“ zwar ein wenig windschief aber dafür hoch emotional über Tulps flirrenden Klangteppich. Und die Gitarrenlinien sind mitunter so gefühlvoll ineinander verschlungen, dass nur sich in die Augen schauende Menschen sie hervorgebracht haben können.

Und dann beendet Tulp die Reise mit dem Titeltrack „Komm, geh“, diesem leichtfüßigen Stück Folk-Rock-Melancholie. Lehmkuhl singt immer wieder, sich immer weiter hochschaukelnd: „Komm her/Komm her/Komm her/Komm her“. Und klingt dabei wie der Sohn von Jeff Buckley und Jeff Mangum. Und das ist wunderbar!

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