Get Crazy

Eigentlich ist die TV PARTY TONIGHT-Kolumne ja für Live-Videos, Dokumentationen und Konzert-Filme gedacht, für meinen Lieblingsfilm Get Crazy machen wir aber eine Ausnahme. 1983 kaufte ich mir diesen Kult-Film auf VHS-Kassette und es gibt wohl keinen Film, den ich in meinem Leben öfter angesehen habe. Regisseur Allan Arkush, der auch bei Rock’n’Roll Highschool Regie führte, drehte Get Crazy 1983 mit vielen bekannten Musikern. Max Wolfe (Allen Garfield), Besitzer des legendären Saturn Theaters in New York liegt im Sterben und möchte seine Lieblingskünstler noch einmal auf der Bühne der großen Silvester-Sause 1983 sehen. Natürlich kommen sie alle – die Frauenband Nada (mit Lori Eastside von Kid Creole And The Coconuts) hält sich ein Band-Maskottchen im Kofferraum ihres Tour Vans, umwerfend gespielt von Lee Ving, Sänger der LA-Punk-Band FearMalcom McDowell spielt den durchgeknallten Rock-Star-Opa Reggie Wanker (der Schlagzeuger seiner Band ist John Densmore von The Doors), der Jazz-Musiker Bill Henderson mimt eine Mischung aus Bo Diddley und Muddy Waters namens King Blues. Absolutes Highlight ist aber ohne Zweifel Lou Reed – er spielt den verstörten Singer-Songwriter Auden, der schon einige Jahre sein Haus nicht mehr verlassen, geschweige denn irgendetwas komponiert oder veröffentlicht hat.

Lou Reed/Auden schnappt sich seine Gitarre, springt in ein Taxi, sagt: „Take the long scenic route“ und erscheint so erst zum Ende von Get Crazy im Saturn, im Verlauf des Films sieht man das Taxi durch Urwälder, Steppen und Wüsten fahren. Die lange Außenroute halt! Eine umwerfende Version von Little Sister macht das Ende von Get Crazy zum vielleicht besten Film-Abspann aller Zeiten. Der offizielle Get Crazy-Soundtrack, der 1983 auf Motown Records veröffentlicht wurde, enthält neben Little Sister von Lou Reed und einer tollen Hoochie Coochie Man Version von Fear auch den Titelsong Get Crazy von der Band SparksGet Crazy erschien nie auf DVD und auch im TV lief er meines Wissens nicht. Der derbe Drogen-Humor, irgendwo zwischen Monty Python und Cheech & Chong, wirkte in der deutschen VHS-Synchro etwas steif, für euch habe ich hier aber die englische Originalversion entdeckt. Viel Spaß mit Get Crazy.  Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Big Black – Live at CBGB

Die unbeschreibliche Energie, die Steve Albini mit Big Black 1986 im legendären New Yorker CBGB mit Rhytmusmaschine abfeuert, ist beispiellos und wahrlich ein richtiges Highlight! Fräsend wie eine Kiefer-OP ohne Narkose halten Big Black locker mit Steve Albinis anderen Projekten wie Rapeman oder Shellac mit. Als Zugabe spielt Big Black sogar noch zwei ihrer Hits (Kerosene, Rema-Rema) mit Peter Prescott (Mission Of Burma, Volcano Suns) am Schlagzeug. Kult! Akzeptable Bild- und Tonqualität.


A Film about The Pixies

Diese Pixies-Dokumentation, die 2006 von Matthew Galkin und Steven Cantor gedreht wurde, war lange Zeit auf YouTube nicht zu finden, jetzt habe ich sie endlich wiederentdeckt. Viele meiner Freunde schwören auf dieses Werk und empfehlen es auch ständig, einige haben sich A Film about The Pixies auch explizit in der TV PARTY TONIGHT-Kolumne gewünscht, also bitteschön und gern geschehen. Ich mochte eigentlich nur das Surfer Rosa-Album und konnte den Pixies ihre fürchterliche Winterlong-Version auf der The Bridge – A Tribute To Neil Young-Compilation nie verzeihen. Aber was tut man nicht alles für Familie, Freunde und Kolumnen-Stalker. Gute Bild- und Tonqualität.


Ramones – Live at The Rainbow

Ich kenne mindestens 50 Leute, die It’s Alive von Ramones für das beste und wichtigste Livealbum überhaupt halten, und abnicken würde ich das auch (obwohl mir locker noch 30 weitere Livealben einfallen würden). It’s Alive wurde im April 1979 veröffentlicht, aufgenommen wurde es aber schon Silvester 1977 im Rainbow Theatre in London – hier ist das Konzert für euch, das ich gerade entdeckt, nachdem ich es vorher schon einige Male vergebens gesucht habe. Unglaublich wichtig, unglaublich wegweisend, unglaublich unglaublich! Gute Bild- und Tonqualität.


Circle Jerks – My Career as a Jerk

2012 erschien My Career as a Jerk über Keith Morris, seines Zeichens Sänger von Circle Jerks, Off! und Black Flag, der auch mal eine kurze Zeit bei Red Hot Chili Peppers am Mikrofon stand. Dieses Jahr sollten Circle Jerks eigentlich auf 40th Anniversary Tour kommen, um den Re-Release des Debüt-Albums Group Sex zu promoten, das wird hoffentlich 2021 passieren. Wenn die Drogen und der Alkohol Keith Morris nicht in die Knie zwingen konnten, dann schafft das Corona erst recht nicht. Als kleines Schmankerl ist hier noch das komplette Circle Jerks Live At The House Of Blues-Konzert von 2004 für euch. Chuck Berry sagte übrigens einmal, dass er Circle Jerks für eine der besten Live-Bands hält, die er je gesehen hat. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Descendents – Live at Primavera Sound 2017

Den heutigen Rausschmeißer machen die Descendents, in meinen Augen die absolut beste Punkband überhaupt, was ganz besonders an Schlagzeuger Bill Stevenson und Bassist Karl Alvarez liegt, die einfach nicht von diesem Planeten sein können. Das Primavera-Konzert von 2017 wurde professionell von Redbull TV produziert und die älteren Herren von Descendents spielen hier 30 Songs aus über 40 Jahren Bandhistorie als wären sie wieder 20 Jahre jung. Die Stimme von Sänger Milo Aukerman klingt wie auf dem Debüt Milo Goes To College von 1982 und man hat das Gefühl, diese Band wird genau wie guter Wein im Alter einfach immer besser. Meine Zugabe für euch ist noch Descendents & Friends in Tulsa! mit wunderschönen Liveszenen von u.a. ALL-Sänger Scott Reynolds, der hier lustige akustische Punk-Karaoke zum Besten gibt. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Titelbild: Collage by Marc Michael Mays

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