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Fugazi – Instrument

Instrument ist ein Dokumentarfilm von Jem Cohen über die Band Fugazi. Cohens Beziehung zu Sänger Ian MacKaye reicht bis in die 1970er Jahre zurück, als sich die beiden auf der High School in Washington DC trafen und Freunde wurden. Der Titel ist von dem gleichnamigen Fugazi-Song aus dem Album In On The Kill Taker von 1993. Instrument wurde von 1987 bis 1998 von Jem Cohen auf Super-8, 16mm und Videofilm gedreht, über einen Zeitraum von fünf Jahren von Cohen und Fugazi geschnitten und besteht hauptsächlich aus Aufnahmen aus dem Übungsraum, Interviews mit den Bandmitgliedern, Tourneen und aus den Red Medicine Studio-Sessions von 1995. Der Instrument-Soundtrack von Fugazi wurde 1999 zusammen mit dem Film auf Dischord Records veröffentlicht. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


The Shield Around The K – The Story Of K-Records

Heather Rose Domini drehte diese wunderschöne Dokumentation The Shield Around The K über Calvin Johnson und sein unabhängiges Plattenlabel K-Records, die 2000 Premiere hatte. Neben Steve Fisk, Slim Moon, Ira Robbins und Dean Wareham kommt (auch hier wieder) Ian MacKaye von Fugazi und Dischord Records zu Wort. Es gibt zahlreiche Videos von Beat Happening, The Halo Benders, Lois, Mecca Normal oder Tiger Trap und seltene Aufnahmen vom sechstägigen International Pop Underground Convention-Festival. K-Records organisierte dieses Festival im August 1991 im Capital Theater in Olympia, Washington und es gilt als die Geburtsstunde der Riot-Grrrl-Bewegung. Damals im Line-Up war auch die All-Female-Band L7, auf die wir gleich noch ausführlich zu sprechen kommen. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


L7 – Pretend We’re Dead

Der Dokumentarfilm Pretend We’re Dead über die 1985 gegründete Frauen-Band L7 wurde von Sarah Price gedreht und 2016 veröffentlicht. Unter anderem zeigt Pretend We’re Dead die Produktion des gleichnamigen L7-Videos, einschließlich eines bösen Unfalls von Suzi Gardner bei den Dreharbeiten, viele Live Szenen und Interviews. Ich kann mich noch gut an eine verrückte Situatuion mit L7 im Forum Enger irgendwann Anfang der 90er erinnern. Donita Sparks, Jennifer Finch und Suzi Gardner saßen stark alkoholisiert in der Backstage und begrüßten jeden Besucher mit diversen Ferkeleien in deutscher Sprache. Ich wurde zum Beispiel mit so etwas ähnlichen wie „Komm Unn Läck Maine Fischritzäh“ begrüßt, und die Damen lachten sich schlapp darüber. Aufrecht stehen konnten sie zwar nicht mehr, sie haben anschließend aber trotzdem die Bühne zerlegt! Eine trinkfeste All-Female-Hammer-Band! The neighbors say I jam too loud – America thinks it should be proud – Get out of my way or I’m gonna shove! Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Slint – Breadcrumb Trail

Breadcrumb Trail ist eine Dokumentation über eine der unbekanntesten aber wichtigsten Bands, ohne die es Bands und Künstler:innen wie Tortoise, Bastro, The For Carnation, Stereolab, Royal Trux, Yeah Yeah Yeahs oder Interpol in ihrer bekannten Form wohl nicht gegeben hätte und ihr zweites Album Spiderland. Slint wurde 1986 von David Pajo (Guitar) und den beiden Squirrel Bait-Mitgliedern Brian McMahan (Guitar, Vocals) und Britt Walford (Drums, Vocals) in Louisville, Kentucky, USA gegründet, und schon ein Jahr später wurde das von Steve Albini produzierte Debüt Tweez veröffentlicht. In der von Lance Bangs gedrehten Doku Breadcrumb Trail geht es um das zweite Slint-Album Spiderland – Touch and Go Records veröffentlichte es 1991 nach dem Split der Band, und für viele Musiker wie Steve Albini, Brian Paulson, James Murphy, Corey Rusk, David Yow und (na klar, er darf nicht fehlen) Ian MacKaye war es ein immens wichtiger musikalischer Einfluss. Spiderland wurde in Chicago an nur einem Wochenende live eingespielt. Am letzten Studio-Tag musste Brian McMahen wegen schwerer Depressionen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden und verließ anschließend sofort die Band. Das Spiderland-Albumcover-Foto machte ein langjährige Freund und Fan der Band, nämlich Will Oldham alias Bonnie ‚Prince‘ Billy. Ein großartiges Stück Musikgeschichte. Gute Bild- und Tonqualität.


We Jam Econo – The Story Of The Minutemen

We Jam Econo ist eine Dokumentation über die einflussreiche Kult-Band Minutemen, die 1980 von D. Boon, George Hurley und Mike Watt in San Pedro, California USA gegründet wurde. Minutemen waren nach Black Flag die zweite Band auf SST Records, und wurden wegen ihrem wilden Mix aus Hardcore, Jazz, Funk und Noise von vielen Künstlern (wie z.B. auch von Slint) als große musikalische Vorbilder genannt. Am 22. Dezember 1985 kam es nach nur fünf Jahren durch den schrecklichen Unfalltod des Sängers und Gitarristen D. Boon zu einem abrupten Ende von Minutemen. Regisseur Tim Irwin lässt neben Kollegen wie Flea, Henry Rollins, Thurston Moore oder (wer hätte das gedacht) Ian MacKaye auch Mike Watt sehr viel Raum für persönliche Reflexion und Trauer. Das plötzliche Ende von Minutemen und der Tod seines besten Freundes D. Boon belasteten Mike Watt damals sehr, und warum gerade Sonic Youth ihm damals eine riesengroße Hilfe waren, erfahrt ihr nicht nur in dieser tollen Dokumentation, sondern auch hier: Mike Watt And The Jom & Terry Show – Eye Gifts From Minnesota. Gute Bild- und Tonqualität.


Gimme Danger – The Story Of The Stooges

Mark+Alex Taubertal 2011 IGGY & THE STOOGES
Mark+Alex Taubertal 2011 IGGY & THE STOOGES

Jim Jarmusch illustriert mit Gimme Danger die wechselvolle Geschichte der legendären Punk-Rock Band The Stooges, die 1967 von Iggy Pop und den Asheton-Brüdern Ron und Scott in Ann Arbor, Michigan gegründet wurde. The Stooges (und später auch Iggy & The Stooges) spielten mit ihrer neuartigen, aggressiven und extrem drogenvernebelten Mischung aus Punk, Blues, R&B, Free Jazz und Rock gegen alle Widerstände der Musikindustrie, Magazine und Radiostationen des Flower-Power-Hypes der späten 60er. Der große Erfolg sollte sich erst 1973, nach dem ersten offiziellen Split der Band einstellen, eine Situation, die Iggy Pop auch aus seiner späteren Solo-Karriere bekannt sein dürfte. 2003 gab es eine Reunion von Iggy & The Stooges mit Mike Watt am Bass, der den verstorbenen Dave Alexander ersetzte. Leider hat YouTube alle Links dieser Dokumentation gesperrt, und bietet Gimme Danger nun selbst auf ihrem Hauskanal „YouTube-Filme“ an. Hier ist für euch als kleine Entschädigung Iggy And The Stooges – Live At The Hordern Pavilion Sydney.


The Cramps – Live in Belgium 2006

The Cramps wurden 1976 von Sänger Erick Purkhiser alias Lux Interior und seiner Ehefrau und Gitarristin Kristy Wallace alias Poison Ivy gegründet, beide sind die einzigen Bandmitglieder, die der Gruppe permanent angehörten. The Cramps genießen heute Kultstatus und ihr eigener Stil, eine Verbindung von Blues-Trash, Garage-Punk und Minimal Lo-Fi-Rock’n’Roll übte einen wesentlichen Einfluss auf unzählige Künstler verschiedenster Genres aus. Lux Interior verstarb am 4. Februar 2009 in Glendale, Kalifornien im Alter von 62 Jahren an einer Erkrankung des Herzens. Das Konzert Live In Belgium 2002 wurde auf der letzten The Cramps-Tour gefilmt, auf der ich das Glück hatte, The Cramps live in Köln sehen zu dürfen. Ich möchte euch auch noch zwei The Cramps-Konzerte der A Date With Elvis-Tour von 1986 ans Herz legen: The Cramps – Live On The Tube und The Cramps – Live In Bourges France, für mich definitiv die kreative Hochphase von The Cramps mit dem megacoolen Nick Knox am Schlagzeug und der wunderbaren Candy Del Mar am Bass. Gute Bild- und Tonqualität.


Stray Cats – Live At Loreley 1983

Der Rausschmeißer der heutigen TV PARTY TONIGHT Volume 6-Kolumne ist eins der besten Livekonzerte, das ich in meinem Leben sehen durfte! Drei blutjunge Rotzlöffel aus Long Island Town Of Massapeaqua, New York – Brian Setzer (damals 19, Sänger und Gitarrist), Steh-Schlagzeuger Slim Jim Phantom (17) und Kontra-Bassist Lee Rocker (17) gehen mit ihrem Winz-Equipment nach der damals noch unbekannten Band U2 (die an diesem Tag ihre Under The Blood Red Sky-Live-EP aufgenommen haben) auf die Bühne und blasen mit ihrer unverschämten Coolness und extremer Virtuosität einfach alles weg! Ich war damals ebenfalls 17 Jahre alt und auf dem 2. Loreley Open-Air live dabei und konnte es einfach nicht glauben! Die Stray Cats hätten damals wirklich die beste Band der Welt werden können, doch leider konnten sie dieses umwerfende Niveau auf ihren Alben niemals halten oder wiederholen. Aber es gibt ja noch dieses wunderbare Zeitdokument aus dem Rockpalast-Archiv von einer Band, die hier wirklich jeden begeistert, in den Arsch tritt, und hinterher einfach nicht mehr von der Bühne will. Eine Frage bleibt: wie können drei Musiker mit Instrumenten in einem Knäul übereinander liegen und trotzdem weiterspielen? Egal, ich nenne das Wahnsinn und nicht von diesem Planeten! Sehr gute Bild- und Tonqualität.

Titelbild: Collage by Marc Michael Mays

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