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You Weren’t There – A History of Chicago Punk 1977-1984

Diese großartige 2-Stündige Dokumentation von Joe Losurdo und Christina Tillman zeigt auf, dass US-Punk in den 70ern und 80ern nicht nur in New York oder Los Angeles für Aufsehen sorgte – auch in der „Windy City“ gab es eine große Szene. Der Chicago-Punk begann 1977 und viele Bands und Künstler wie Steve Albini, Vic Bondi, Scotty Brown, Effigies, Naked Raygun, Strike Under oder Articles Of Faith kommen in dieser tollen Dokumentation ausführlich zu Wort. Viele Interviews, tolle Live-Performances, diese Doku sollte man gesehen haben. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


GG Allin And The Murder Junkies – Hated

Das Punk-Rock nicht für Jedermann eine positive romantische Erfahrung war, zeigt das Beispiel GG Allin sehr deutlich. Als 1980 Orange Records sein Debüt Always Was, Is And Always Shall Be veröffentlichte, konnte niemand ahnen, was für ein Monster aus dem begabten Künstler GG Allin werden würde. Der Sleaze-Hairspray-Rock ’n‘ Roll veränderte sich rasant schnell und mutierte in ein Universum aus Drogen, Gewalt, Menschenhass, brutalen sexuellen Phantasien und schreckte selbst vor Kindervergewaltigungen und Mord der eigenen Familie nicht zurück. Seine Performance auf der Bühne war gelinde gesagt unerreicht, abartig und destruktiv, er attackierte sein Publikum, verstümmelte sich selbst auf der Bühne, aß seine eigenen Exkremente oder masturbierte. Die Dokumentation Hated: GG Allin And The Murder Junkies von Todd Phillips ist nichts für zarte Gemüter, zeigt aber schonungslos einen Einblick in das kaputte Leben des Künstlers Kevin MichaelGGAllin (geboren 1956 als Jesus Christ Allin), der 1993 in New York nach einem vorzeitig abgebrochenen Konzert an einer Überdosis Heroin verstarb. Gute Bild- und Tonqualität.


The Lemonheads – Düsseldorf Philipshalle Osterrocknacht 1997

1997 spielte ich in der Band Sharon Stoned und wir begleiteten The Lemonheads auf ihrer Car Button Cloth-Tour als Support-Act durch ganz Europa. Bei einigen Festivals hatten meine Kollegen Off-Days, während ich die komplette Tour mitgefahren bin. Die Rockpalast Osterrocknacht in der Philipshalle Düsseldorf hatte ein merkwürdiges Line-Up. Nach einigen Bands (Catherine, Waltari, Republica) die wir verpassten, sollten dann am späten Nachmittag Social Distortion auf die Bühne. Im Backstage-Bereich herrschte schon den ganzen Tag eine merkwürdige und unterschwellig-aggressive Stimmung. Ich bemerkte als Erster, dass auf der Bassdrum von Chuck Biscuits in großen Gaffatape-Buchstaben „Bring Me The Head Of Evan Dando stand! Schlagartig kippte dann die Stimmung, als ich Evan von dieser Nachricht berichtete. Sturzbetrunken und hackedicht stürmte er auf die Bühne, wo Social Distortion schon mit ihrer Show begonnen hatten, taumelte vor den Drum-Raiser und lachte. Dieser Affront gefiel Mike Ness überhaupt nicht, er war auf 180 und schaute während der Songs ständig bitterböse in Richtung Backstage und so mussten wir Evan erstmal im Nightliner verstecken. Und das war auch gut so, denn Mike Ness und Chuck Biscuits sind auf der Jagd nach Evan Dando noch stundenlang durch die Katakomben der Philipshalle gerannt, gefolgt von einer Traube von Roadies, Tourmanagern und Plattenfirmen-Menschen, die verzweifelt versuchten, die beiden aufzuhalten. Ob da schon im Vorfeld etwas zwischen Evan und Social Distortion vorgefallen ist, oder ob sie nur ungehalten waren, weil sie vor den Lemonheads auf die Bühne mussten, weiß ich nicht genau. Wir sind auf jeden Fall direkt in den Bus, haben Gas gegeben und lieber auf die noch folgenden Auftritte von Suede, The Offspring und H-Blockx verzichtet. Die Lemonheads-Show war übrigens grandios, Evans Band mit Murph (Dinosaur Jr), John Strohm (Blake Babies, Antenna) und Ken Lyon (Spain, Jann Arden, NOFX) ist definitiv eine der besten in der Lemonheads-Historie.


Ebenfalls auf dieser Tour ist hier noch der Lemonheads Auftritt auf dem Reading Festival 1997 für euch. Und als Zugabe hier auch noch The Lemonheads in Original-Besetzung (Evan Dando, Ben Deily, Jesse Peretz, Doug Trachten) von 1987 aus dem Hung Jury Pub in Washington, DC wo The Lemonheads mit MFD, Jerry’s Kids und Government Issue gespielt haben.  Gute Bild- und Tonqualität.

Angry Samoans – True Documentary

Ich liebe die Angry Samoans, ihre wilde Anfangszeit bis hin zum drogengeschwängerten Minimal-Album STP Not LSD. Ich weiß noch, wie ich mir damals die VHS der True Documentary beim Malibu Versand bestellt habe. Leider hat mich diese Doku nie überzeugt. Ich dachte immer, da hatte jemand nicht genug Material, zu wenig Zeit oder keine Lust, scheinbar wurde bei der Produktion einfach nicht viel Liebe investiert. „Fun for the whole dysfunctional family of one of punk rock’s reluctant trend setters nannte Triple X Records diese Veröffentlichung im Pressetext, aber viele Fans hatten eine andere Meinung: „Strange documentary with a childish story line, the musical clips didn’t make it totally useless“. Schaut aber trotzdem mal rein, immerhin ist True Documentary das einzige verbliebene Zeitdokument von Angry Samoans, eine der wichtigsten US-Punk-Bands, denen ich mittlerweile auch ihren pubertären Adolf Hitler-Sample bei They Saved Hitler’s Cock verziehen habe. Mittelmäßige Bild- und Tonqualität.


Neil Young & Crazy Horse – Bonnaroo Festival 2003

Letzte Woche hat mir mein Chef Marc einen Link über WhatsApp geschickt mit der kurzen Nachricht: „Muss in die nächste TV PARTY TONIGHT Kolumne, ich feire dass schon den ganzen Morgen ab!“ Und mir ging es nicht anders, die Neil Young & Crazy Horse-Show vom Bonnaroo Festival im Great Stage Park, Manchester, Tennessee ist einfach der Wahnsinn! Der Opener Love To Burn ist über 22 Minuten lang und wird so entspannt aus der künstlichen Hüfte gespielt, wie es sonst niemand kann. Natürlich liegt das an Neil Young, doch nur zusammen mit Crazy Horse (Frank Sampedro, Billy Talbot, Ralph Molina) erschafft er live auf der Bühne dieses besondere Gefühl und wird zu dieser musikalischen Einheit, die er nur mit Crazy Horse so einzigartig umsetzen kann. Auch von 2003 ist dieses Konzert aus Los Angeles. Für mich die größte Live-Band aller Zeiten! Gute Bild- und Tonqualität.


Bad Religion – Rock Am Ring 2018

Zurzeit lese ich Do What You Want – Die Bad Religion Story und deshalb dürfen Bad Religion in dieser Kolumne auch nicht fehlen. Was soll ich noch über sie erzählen? Diese Band ist ein Phänomen und ich rechne es ihnen hoch an, dass sie Niveau und Intelligenz in den Punk-Rock gebracht haben. Bei keiner anderen Band muss ich so oft Wörter im Duden nachschlagen weil ich sie noch nie vorher gehört habe, und auch wenn ich sie mal einige Jahre nicht verfolgt habe, bin ich immer wieder auf sie zurückgekommen. Das ein oder andere Album hat mir mal nicht so zugesagt, auch ihr Versuch, verpunkte Weihnachtslieder zu veröffentlichen habe ich als Ausrutscher gesehen – zu wichtig waren und sind mir ihre Alben Suffer und No Control und werden das auch immer sein!


Für euch habe ich hier fünf (!) Bad Religion-Shows zwischen 1996 und 2017 ausgesucht und alle machen einen Heidenspaß! Bad Religion – Sziget Festival 2017, Bad Religion – Hellfest 2013, Bad Religion – Roskilde Festival 2011 und Bad Religion – Loreley Festival 1996. Vielleicht die beste Band der Welt, wir sollten froh sein, dass es sie gibt. Sehr gute Bild- und Tonqualität.

The Clash – Rude Boy

Rude Boy wurde 1980 von Jack Hazan & David Mingay gedreht und ist zur Hälfte eine fiktive Geschichte, zur anderen Hälfte ein Musikfilm über The Clash. Er handelt von Ray Gange, ein junger The Clash-Fan, der seinen üblen Job in einem dreckigen Sex Shop in Soho aufgibt, um Roadie bei The Clash zu werden. Rude Boy zeigt einzigartiges Live Material vom Rock Against Racism-Konzert im Victoria Park und von den On Parole– und Sort It Out-Tourneen, außerdem von den Give Em Enough Rope-Studio Recording-Sessions. Nicht alles in dieser Doku ist wahr und man ertappt sich selbst ständig dabei, Szenen des Films zu hinterfragen, zum Beispiel, wenn Ray Joe Strummer im Hotelzimmer beim Waschen seines Brigade Rosse T-Shirts fragt, was das bedeutet, und Joe dann irgendwelchen Bockmist über die RAF verzapft. Zumindest ich habe damals gehofft, das wäre doch alles tragische Komik. Zusammen mit The Great Rock’n’Roll Swindle ist Rude Boy für mich die wichtigste Musikdokumentation die es gibt und gehört zu den Filmen, die ich schon über hundert Mal gesehen habe. Pflicht! Nur für euch gibt es hier noch zwei empfehlenswerte Dokumentationen als Zugabe. Die Dokumentation Viva Joe Strummer – The Clash And Beyond mit vielen Live Songs von The Clash, Joe Strummer und The Mescaleros und The Clash – MTV Rockumentary. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Butthole Surfers – CBGB New York 1986

Schon für die letzte TV PARTY TONIGHT Kolumne standen Butthole Surfers auf meiner Einkaufsliste. Ich hatte vor über 20 Jahren mal ein unglaubliches Interview mit den ganz jungen Butthole Surfers auf einer VHS-Kassette, das ich verzweifelt suche. In einem Hotel in Amsterdam liegt die Band zusammen in einem Bett und wird interviewt, sie sind aber alle total dicht, weil sie vor der Kamera Heroin rauchen. Plötzlich bekommt Paul Leary einen Hustenanfall und übergibt sich mitten in das Bett. Doch anstatt angeekelt aus dem Bett zu springen, nimmt Sänger Gibby Haynes einen Strohhalm und fängt an, die Kotze zu essen, während er weiter stoisch auf die Fragen antwortet. Dieses Interview ist mir nie wieder aus dem Kopf gegangen und es lag immer ein magensäuriger Dunst in der Luft, wenn ich Musik der Butthole Surfers hörte. Gefunden habe ich aber die Show aus dem CBGB New York von 1986, wie auch die anderen Konzerte aus diesem Klub wurde auch diese Show mit nur einer Kamera vom Bühnenrand gefilmt. Mittelmäßige Bild- und Tonqualität.


Bright Eyes – Austin City Limits Texas 2004

Für meinen Chef Marc habe ich ein Konzert seiner Lieblingsband Bright Eyes von 2004 ausgesucht. Es macht wirklich großen Spaß zuzuschauen, die Band ist toll, die Songauswahl auch. Besonderes Lob für die gelungenen Cover-Versionen Golden (My Morning Jacket) und Girl From The North Country (Bob Dylan), Bekomme ich dafür eine Gehaltserhöhung? Vielleicht jetzt: Conor Oberst – Live at House Of Blues Boston 2015 als Sahnehäubchen mit Kirsche oben drauf. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Talking Heads – Stop Making Sense

Der Rausschmeißer dieser TV PARTY TONIGHT-Kolumne ist der Konzertfilm Stop Making Sense der Talking Heads unter der Regie von Jonathan Demme. Er wurde 1983 an drei Abenden während einer Promotiontour für das Album Speaking in Tongues aufgezeichnet und ist zu Recht ein wichtiger Konzertfilm-Meilenstein. Viel Spaß auf dem Sofa! Sehr gute Bild- und Tonqualität.

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