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Ohne Worte. Mit schwelgerischen Gitarren. Schlummernd und träumerisch. So fängt das neue Album von unhappybirthday an.


Nach dem Debüt „Sirup” (2012) und der EP „Kraken” kommt das Trio unhappybirthday aus Wismar (Daniel, Vocals & Synths; Tobi, Gitarre; André, Bass) mit „Schauer” zurück. Das neue Album auf Night People Records kann man als Tape oder Download auf Bandcamp kaufen. Im Februar wird dann auch auf Vinyl gedruckt.

Wenn unhappybirthday mit „Sirup“ einen rauchigeren und schmutzigeren Sound hatte und „Kraken“ eher transparent und definiert klang, vereint nun „Schauer“ die besten Aspekte der vorherigen Werke. Neun Tracks vom sanften und nostalgischen Shoegaze und Synth-Pop mit hellem, glänzendem Gitarrensound, einem tief pulsierendem Bassteppich und atmosphärischen, melodischen Synths. „Raincot Pop” oder „Bedroom Stoner” definiert die Band ihre Musik treffend. Denn „Schauer” klingt wie eine Nacht. Ein kleines Universum in einem Bett, zwischen Träumen, Erinnerungen und Fantasien.

Das Album verströmt eine weiche Atmosphäre, eine grundlegende Melancholie, unterstrichen von den sehr gut geschriebenen Texten. Moderne Gedichte, die eine kompakte Bilderwelt schaffen, die man gleich als Merkmal von unhappybirthday erkennt. Die Songs sprechen von Sommern, von Träumen, sie adressieren oft ein Du, sie sind romantisch und nie kitschig. Es gibt immer kleine, unerwartete inhaltliche Sprünge, die eine Kluft zwischen dem Ich und dem Du öffnen. Als ob man sich ständig verpassen würde.

Wie in „Artie”. Dieses Du wartet an einem alten, bekannten Platz, doch „es ist Sommer, ich komme nicht mehr zurück”, singt Daniel. Der Song lässt diese Szene so lebendig im Kopf auftauchen. Ein Park im strahlenden Grün, jemand wartet am Gittertor. Die Gitarren sind schnell und hell wie Edelstein, der Bass kreiert einen sanften Klangteppich, der Gesang ist etwa verzerrt, doch wie immer sehr ruhig und sanft. Viel sanfter als im Vorgänger „Sirup”, der zudem viel mehr Post-Punk/Noise-Elemente besaß.

Langsamer geht es in „Elephant” zu, ein Song, der eine echte und warme Schlafzimmer-Stimmung suggeriert. Die Gitarre ist wieder, wie auf der gesamten LP, sehr stark und im Vordergrund. Im Gegenteil ist die Stimme schön tief, bescheiden, es klingt wie im Bett liegend gesungen. Sie ist fast verdrängt von den Gitarren, die hier auch den Refrain übernehmen.

Mit Verzerrungen und sich schleichende Synths beginnt „Taipeh”, ein der schönsten und mitreißendsten Songs auf dem Album. Das Lied ist etwa noisiger, der Gesang ist noch geflüsterter, schmilzt mit den Gitarren, der Bass ist schnell und pulsiert. Die Synths schaffen eine Atmosphäre wie pastellfarbenes Morgenlicht. Wie Tau fühlen sich poetische Lines wie „Dein Körper eine Sucht, die mit dem Regen fällt” an. „Blue Tornado” ist pure Schwermut. „Zuerst der Kuss und dann der Fall”: der Song selbst ist ein Fall, man verliert sich in ihm, begleitet von den schönen Gitarren.
Auch langsam doch etwa verträumter ist „Narko”, ein Shoegaze-Wiegenlied. Mit einem extrem leisen Gesang und glockenartigem Gitarrensound ist das Lied ein kleines Intermezzo, wie ein kurzes Wegschlummern.

Sehr starke Synths kennzeichen „Keanu”, ein fast reines Synth-Pop-Stück. Alles ist wie gepunktet hier, die Keyboards klingen wie Regentropfen, während ein Klang-Streifen in die Ferne führt, öffnet diese fast abgehackte Atmosphäre. Diese wundersam klingenden Songtitel haben oft mit dem Inhalt des Textes nichts zu tun, doch sie sollen eher ein Bild erzeugen, eine expressionistische Geste sein.

Zum Schluss kommen die besten Songs des Albums, „Juma” und „Schauer”. „Juma” ist einfach ergreifend. Ist das wegen der melodischen, starken Bassline, die man so stark im Bauch fühlt? Ist das wegen der Gitarren, die Ferne versprechen? Oder wegen des Gesangs, der geschmeidig wie Öl fließt? Alles umarmt fest in diesem Song. Genauso wie in „Schauer“. Ein dicht gewobener Teppich ist dieser Song. So nostalgisch entführt der Track mit den schauerartigen Drums, den tief ergreifenden Gitarren und mit der vielleicht nostalgischsten Zeile des Albums, „Deine Worte klingen nach, ein falsches Lachen in meinem Schlaf”. Das Lied klingt wirklich wie ein Schauer, der gegen das Glas schlägt, während man am Fensterbrett sitzt und nach draußen schaut.

Ohne Worte öffnet sich das Album, mit den stärksten Lyrics schließt es ab. Dazwischen schaffen unhappybirthday eine Welt, die einen in tiefer Melancholie sanft umarmt.

Wer diese verträumte Nostalgie live spüren möchte, hat im Februar Gelegenheit:
16.02.2016 DE Hamburg, Hafenklang
17.02.2016 DE Berlin, Acud Macht Neu
18.02.2016 PL Warsaw, Chmury
19.02.2016 CZ Prague, Klubovna
20.02.2016 DE Trier, villaWuller
23.02.2016 F Lyon, Le Sonic
24.02.2016 F Paris, L’International
25.02.2016 F Lille, Le Rouge
26.02.2016 NL Nijmegen, Extrapool

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