Würzburg ist seit dem Erscheinen einer Black Metal-Band, die auf alle trven Metaller einen feuchten Dreck gibt, durchaus wieder präsenter auf der musikalischen Landkarte. Aus dem Dunstkreis besagter Band entstammen nun VEL, die dann doch noch in eine etwas andere Kerbe schlagen.

CD kaufen Vö: 15.09.2017 VEL Bandcamp

Beim Blick auf die Trackliste fällt auf, dass alle fünf Songs nach Edelsteinen benannt wurden. Ein durchaus interessanter Aspekt, da überhaupt nicht greifbar ist, was den Hörer erwartet.

„Ruby“ beginnt mit sehr entspannt bluesigen Klängen, die sich nach und nach in immer stärker verzerrten Gitarren steigern. Nach dreieinhalb Minuten ändert sich der Ton und flirrende Melodien bauen sich auf, die in einem schleppenden Part ausbrechen. Verhalltes Schreien setzt im Hintergrund ein, Blastbeats begleiten das Klangbild. Immer wieder treten disharmonische Töne auf, die nicht so ganz passen zu scheinen und doch irgendwie ein Ganzes mit dem Rest ergeben. Zur Mitte wird das Lied durch einen anmutigen post-rockigen Part aufgelockert und geht in einen verspielten Teil über um dann wieder in aufbäumende Wände zu wechseln. Zum Schluss wird das Gaspedal nochmal voll durchgetreten. Eine gewisse Wärme macht sich langsam breit. Irgendwie habe ich viel mehr südeuropäische Screamo/Skramz-Bands im Kopf als nordische Schwarz-Metaller.

Beim Einstieg von „Jade“ bestätigt sich mein vorheriger Eindruck. Man wird von verspielten sonnigen Melodien empfangen, die zwischen vertrackten Rhythmen und Blast Beats Hin un Her pendeln. Wenn dann wieder alles runter gefahren wird und dezente Gitarren und zarte Sprechchöre einsetzen geht wahrlich die Sonne auf. Besonders Viva Belgrado schießen mir hierbei immer wieder in den Kopf, was wirklich ein großes Kompliment ist. Und so arbeitet der Song mit schönen Melodien, die sich gerne verlieren. Und selbst wenn gegen Ende ein paar Wolken am Himmel erscheinen bleibt das wohlige Gefühl. Wirklich ein starkes Stück, welches live besonders seine Wirkung entfaltet.

Leicht noisig ist der Einstieg in „Opal“. Aber schnell wird das Chaos zurückgefahren und leise Gitarren spielen nachdenkliche Melodien, die verzerrt weitergeführt werden. Immer wieder gibt es Tempowechsel, die aber auf den Punkt gespielt werden. Gegen Ende wird es sehr emotional aber alles bleibt vom Klangbild recht positiv. Der längste der fünf Songs braucht insgesamt zwölf Minuten, um sich voll zu entfalten und ist sehr abwechslungsreich dabei.

„Sapphire“ schlägt anfangs etwas melancholischere Töne an, wird aber auch schnell wieder hoffnungsvoll. Unglaublich, wie es die junge Band schafft, diesen Wechsel zwischen nachdenklichen Parts und warmen Melodien hinzubekommen und dabei ein homogenes Gesamtbild zu kreieren.

„Onyx“ beendet das Album mit den bereits ausgespielten Stärken der Band. Laut und Leise wechseln sich ab, das Tempo variiert von langsam zu ganz schnell und konsequent werden diese schönen warmen Melodien gespielt.

Am Sound des Albums gibt es nichts auszusetzen. Hier hat Nikita Kamprad ganze Arbeit geleistet und gibt allen Instrumenten viel Platz zum Atmen. Das organische Gesamtbild rundet die fünf Songs bestens ab. Das Album wird übrigens in Eigenarbeit vertrieben und erschien bereits im Herbst letzten Jahres in digitaler Form. Die auf 100 Stück limitierte CD gibt es direkt bei den vier sympathischen Jungs aus Bayern zu ordern.

VEL zeigen mit „Obsidian“, dass es in Deutschland immer wieder aufstrebende junge Bands gibt, die es verdienen die Bühnen zu bespielen. Die Wärme, die das Album vermittelt, ist großartig. Die meist überlangen Stücke lassen es nicht an Abwechslungsreichtum fehlen und machen Spaß. Freunde von Screamo-Bands europäischer Prägung werden ihre helle Freude an der dreiviertel Stunde Musik haben.

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  • 8/10
    Autor Heiko Lüker - 8.0/10
8/10

Kurzfassung

Würzburg ist seit dem Erscheinen einer Black Metal-Band, die auf alle trven Metaller einen feuchten Dreck gibt, durchaus wieder präsenter auf der musikalischen Landkarte. Aus dem Dunstkreis besagter Band entstammen nun VEL, die dann doch noch in eine etwas andere Kerbe schlagen.

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