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Elektrisierender Neo-Krautrock-Trip aus Übersee.

Vö: 25.05.2018 Tonzonen iTunes LP kaufen

Womit verbinde ich Kentucky? Pferderennen, Bourbon und knusprig frittierte Körperteile von geflügeltem Mastvieh. Aber Krautrock? Bisher nicht, aber das hat sich just geändert. Verstärker legen mit ihrem neuen Werk „Aktivität“ eine echte Genreblüte vor, die man hierzulande vor gut 40 Jahren ordentlich abgefeiert hätten. Deutscher Band- und Albumname, ebenso die Songtitel und das schlicht-schroffe Cover lassen vermuten, dass wir es hier mit einer großen Kraftwerk-Reminiszenz zu tun haben. Jedoch trügt der Schein größtenteils, was ich sehr begrüße, da man meines Erachtens geflissentlich auf eine 1:1-Kopie der Düsseldorfer geflissentlich verzichten kann. Eine Labelheimat haben sie bei den Krefelder Tonzonen gefunden, die wahrlich ein Händchen für spannende Bands dieses Dunstkreises entwickelt haben.

Unsere amerikanischen Freunde haben sich offenbar eindringlich mit deutschem Spacekraut á la Tangerine Dream, Klaus Schulze, NEU! oder frühen CAN beschäftigt und ihre eigene und vor allem eigenständige Interpretation dieses Genres geschaffen. Die fünf Stücke, von denen drei die magische 10-Minuten Grenze übersteigen, wirken jedes für sich wie ein hypnotischer, fesselnder Trip. Schlagzeug und Bass marschieren stets voran und spielen immer abwechselnd mit Intensivität und Lautstärke. Synthesizer und Gitarre gehen zumeist eine kaum trennbare Symbiose aus Rauschen und Verzerrung ein, die Riffs springen einem nicht direkt ins Ohr, man muss sie sich im Laufe der Spielzeit erarbeiten und sie Entdecken. Haben sie sich dem Hörer erschlossen, sind sie unterbewusst mit den Songs verwoben. Es wird mit psychedelischen, überaus harmonischen, aber auch mit brachialem, kakophonischem Rauschen gearbeitet. Ähnlich wie beim allseits beliebten Post-Rock unterliegen die Stücke einem gewissen Auf- und Abbau und aufregenden Steigerungen. Durch die stets präsente und abwechslungsreiche Schlagzeugarbeit fehlen hier zum Glück auch die Längen auf den Alben einiger deutscher Vorbilder, was den Genuss bewusstseinserweiternder Drogen zum Einstieg in diese Klangwelten unnötig macht.

„Aktivität“ ist kein Album zum nebenher hören. Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, sich auf die Stücke im Ganzen zu konzentrieren, sonst besteht die Gefahr, dass die gewünschte Wirkung nicht vollends entfaltet werden kann. Vor allem hervorheben möchten ich die Qualität der Vinylveröffentlichung! Hervorragender Klang, wundervolle Verarbeitung, hier passt einfach alles.

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