Cargo-Vinylaktion

Vespero hatten eine lange Anreise bis hierher. Sie halten kurz an und lassen uns geilerweise an Bord steigen.

Vö: 26.10.2018 Tonzonen Records iTunes LP kaufen

Die erste Assoziation beim Blick aufs Cover gilt vielleicht den vier Liverpooler Pilzköpfen, die schon in einem ähnlich gestalteten Fahrzeug gleicher Farbe unterwegs waren, allerdings unter Wasser. Dieses Steam-Punk-Gefährt flitzt jedoch durch cineastische (Free)-Jazz-Sphären, hat in der Can ne gute Ladung Tangerine Dream getankt und ist nach Amon Düül II unterwegs. Mit Zwischenstopp in Form-follows-function-Junction und einigen nobleren Raumhäfen, die garantiert auch schon Besuch vom Sun Ra Orkestra gehabt haben dürften. Damit die Schwingung auch stimmt, wurden selbstverständlich auch ein paar Räucherstäbchen im Ash Ra Tempel entzündet.

Zwei Dekaden zurück bis 2004 reicht die 16 Alben umfassende Bandhistorie des Petersburger Ensembles (insofern ich bei/auf discogs zählen kann und Live-Alben nicht mitgezählt).

„Hollow Moon“ ist schon das zweite auf Tonzonen Records. Die überzeugten Wiederholungstäter präsentieren hier einen dynamisch-abwechslungsreichen Spannungsbogen, der sich durch das ganze Album zieht.

Bevor es richtig los geht, hören wir dem Albumnamensgebenden Mond beim Aufgehen zu. Zwischen den dann folgenden Full-Speed-Space-Jazz-Galoppabfahrten (unerfahrenen Ohren oder sowieso schon hibbeligen Zeitgenossen (wie ich) könnte die Fülle der gespielten Noten überfrachtet vorkommen oder schlichtweg einfach schnell zu viel werden) gibt es immer Momente zum Verschnaufen, in der Vespero einen ruhigeren, fließenden Erzählstil heraufbeschwören. Daß das nicht unbedingt leiser bedeutet, versteht sich hoffentlich von selbst.

„Hollow Moon“ gestaltet sich rundherum als farbenfrohe Weltraum-Opera im Steam-Punk-Gewand (wobei letzteres nicht als Musikrichtung mißzuverstehen ist) welche komplett ohne Gesang auskommt. Das wäre dann aber auch vielleicht wirklich zu viel.

Da es neben einem Download-Code und einem Band-Foto keine weiteren Liner-Notes oder Texte (haha) gibt, bleibt nichts anderes übrig, als einfach an Bord zu gehen und hören, wohin die Reise führt.

Welcome aboard the HOLLOW MOON – We invite you to „Watching The Moon Rise“, attend the „Flight Of Leutenant“, target is „Sublunarian“ in the „Lunar Trovants“ where „Mare Ingenii“ celebrate the „Feast Of Selenites“. We meet at „Watershed Point“ and enjoy some „Tardigrada’s Milk“. In the end you are too drunk for traveling and end in a „Space Clipper’s Wreckage“. When finally we „Watching The Earth Rise“.

Damit sollte wohl alles klar sein. Anschnallen nicht vergessen.

Weiterhin immer lobend erwähnt werden sollte die qualitativ hochwertige Aufmachung von Tonzonen Records Veröffentlichungen im Allgemeinen. Auch diese (in zwei Farben erhältliche) 180g Vinyl-LP wird gewohnheitsgemäß wertschätzend in einem stabilen Gatefoldsleeve aufbewahrt, gefütterte Innenhülle und Download-Code inklusive.

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  • 9/10
    Autor Holger Schilling - 9/10
9/10

Kurzfassung

Dieses SteamPunk-Gefährt flitzt durch cineastische (Free)-Jazz-Sphären, hat in der Can ne gute Ladung Tangerine Dream getankt und ist nach Amon Düül II unterwegs.

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