Spinnup_DuWillst

Sie selbst nennen es „Straßenpop“, zu verorten ist ihre Musik allerdings eher irgendwo zwischen Post-Punk und Emopop.

LP kaufen Vö: 16.02.2018 Sportklub Rotter Damm

Vizediktator aus Berlin versuchen nicht nur mit ihrem Namen anzuecken, sondern auch mit ihrem Stil. Mit ihrem Debütalbum „Kinder der Revolution“ wollen sie schon ordentlich an den Säulen der Gesellschaft rütteln und positionieren sich mit ihrem groben, melancholischen Sound ganz klar.

Ihre erst EP „Rausch“ legten sie bereits ein starkes Stück Sozialkritik vor und kamen mit ihren Liveauftritten auch ordentlich rum. Bereits die Vorabsingles „Porta Romana“ und „Halleluja“ ließen erahnen, dass sie sich auch auf ihrem Erstlingswerk nicht zimperlich mit ihrer Meinung umgehen werden. Und das trifft zu. Es geht um Wut und Frust, um Unverständnis und Alltagsflucht, die Sänger Benjamin Heps mit seiner knarzigen Stimme in die Welt trägt. Durch die musikalische Umrandung können seine Texte greifen und machen sie erlebbarer.

Ein gutes Beispiel dafür ist „Stimme der Verfolger“: tanzbare Musik, schockierender Inhalt! Die bedrohliche Geräuschkulisse am Anfang rückt den Inhalt dann in eine bizarre Brisanz: lyrisch geht es hier um Flüchtlinge und Nazis. Oder auf dem Song „Kreuzbergs Scherben“, der gewissermaßen eine bittere Antwort auf die Gewaltausbrüche am 1. Mai ist. Aber es gibt auch weniger politische Songs, die sich mit dem ganz Alltäglichen beschäftigen: Scheitern, Trauern, Einsamkeit und Freundschaft gehören da beispielsweise dazu.

Das sind jedenfalls die zwei großen Konstanten auf dem Album: der politische Hintergrundgedanke und die Stärke der Texte. Das wirkt auch keinesfalls plump, denn man merkt, dass ihre Überzeugungen aus dem Herzen und mit großen Willen entstehen. Stilistisch probieren sie sich noch aus und legen somit 12 teilweise sehr verschiedene Songs vor, aber inhaltlich bleiben sie auf einer Linie. Das steht ihnen bei ihrem Debütalbum, das inhaltlich so turbulent ist, aber ganz gut und macht ordentlich Laune.

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