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Vlimmer webt wieder einen Schleier aus Nebel und Rauch: Nach den ersten zwei EPs veröffentlicht Alexander Leonard Donat neue Zwillingswerke, III und IIII, wieder auf Blackjack Illuminist.

Eigentlich liefert er selbst die Worte zur Beschreibung seines dunklen, mit Darkwave gemischten Shoegaze. Oder besser gesagt zur Beschreibung der Stimmung, die seine Musik evoziert. „Mattes Rauschen des Tages“, „Das Dunkelblau mutiert mittlerweile zu Düsterkeit“, „Bodennebel“, „Grauer Himmel“: All das passiert in den Lyrics, all das wird durch die verzerrten, die fuzzigen Effekte, die dicht, langgezogenen Synth-Linien und den monotonen Gesang lebendig.

Der siebenminütige Track „Erschöpfung“ (https://www.youtube.com/watch?v=ci9FETf2LQo) wirft in diese schwarz/weiß Welt, deren Klang immer matt und nebulos bleibt. Die Beats stapfen sich schwer durch die Synth-Landschaft und erwecken diesen Eindruck von Erschöpfung. Es ist eine Atmosphäre wie in einem expressionistischen Film. Diesen expressionistischen und hermetischen Charakter haben auch die Lyrics, die hier von morgendlichem Nebel, „der nie überrascht sprechen“. Und das passiert auch während dieser Werke. Während der insgesamt zehn Tracks gibt es keine erschütternde Überraschung, sondern Vlimmer hypnotisiert in dieser grauen Dimension mit festen Soundelementen.

Im Vergleich zu den Vorgängern sind auch die Lichtmomente seltener hier. Manchmal schimmern helle Gitarrenklänge in diesem verschwommenen Raum durch, und die Atmosphäre öffnet sich. Wie zum Beispiel in „Rückspiegel“, wo die Gitarre schöne kreisförmige Bewegungen formt, oder in „Grenzbereich“, wo der Takt beschleunigt wird. Der Song hat eine sehr gute Bass-Dynamik und schnelle Beats, die an einen Zug erinnern. In „Finsterblindheit“ strahlt die Zither wie ein Stern im dunklen All. Der Track hat nämlich eine Art Weltraum-Atmosphäre durch die Synths und den Gesang, während der Einstieg und die Beats fast industrial sind. Diese helle Zither erklingt auch in „Knochenbruch“, dem letztem Track von EP IIII. Ein Song, der mehr Shoegaze- als atmosphärische Elemente hat und einer fesselnden, dichten Basslinie im Vordergrund besitzt.

Eine „unsichtbare Macht am finsteren Himmel“ ist wie der Text sagt „Dhron“, einer der besten Songs beider EPs. Düster, seidig und melodisch fängt das Lied an, als ob sich etwas in die Dunkelheit schleichen würde. Die Synths erinnern an die typische Twin-Peaks-Musik und akzentuieren noch mehr diese Unheimlichkeit. Diese Erinnerung an die Serie von David Lynch kommt auch bei den Synths von „Minenslalom“ aus EP IIII hoch. Anders und erfrischend klingt „Wärmebeben“ mit seinem elektronischen Einstieg und den etwas verlangsamten EBM-Beats und Synths, vor allem in der zweiten Hälfte des Liedes, das wirklich für ein kleines Beben der Gedanken sorgt.

Mit diesen zwei EPs kreiert Vlimmer wieder eine Atmosphäre, die unaufgeregt und gleichzeitig unheimlich ist. Es sind Werke, die einen auf fast subtile Weise umhauen, die Musik von Vlimmer schleicht sich hier noch unterschwelliger als in den zwei vorherigen EPs ins Bewusstsein. Deswegen sind es auch Alben, die man wirklich ganz anhören sollte, um sie zu verstehen und sie auf sich wirken zu lassen. Ein Sound für diejenigen, die sich im Nebel verlieren möchten.

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