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Vlimmer meldet sich mit Teil zehn seiner auf 18 EPs angelegten Veröffentlichtungsserie zurück.

CD/Tape kaufen Vö: 04.05.2018 Blackjack Illuminist Records

Darauf vereint Vlimmer wie gewohnt Einflüsse aus Wave, Gothic, Post Punk, Shoegaze, Drone, Noise und Krautrock zu einer dunklen, mal melancholischen, mal Unbehagen erzeugenden Melange. Und wie üblich gleicht die neue EP nicht den Vorgängern, sondern setzt andere Schwerpunkte und Bezüge, bricht zu neuen Ufern auf. Vertraut und doch wieder neu. Überzeugend.

Bereits mit den Vorgängern IIIIIIII (8) und IIIIIIIII (9) erfolgte eine Öffnung in Richtung Tanzbarkeit und einer gewissen Eingängigkeit. Dies führt X nun fort. Die Rhythmen sind oft schneller, treibender, Melodien sind deutlicher erkennbar. Die Kühle tritt etwas zurück. Eigentlicher Dreh- und Angelpunkt der Änderungen ist aber der sonst meist bis zur Unkenntlichkeit der Melodie gedehnte Gesang. Dieser ist deutlich zügiger und zusammen mit Wave-Synthies Melodieträger. Beim ersten Hören ist das schon geradezu poppig, wird jedoch ständig gebrochen. Auch diese EP bietet beim mehrmaligen Hören einiges zu entdecken, wenn man ihr die gebotene Aufmerksamkeit widmet.

Im melancholisch-langsamen Darkwave-Gothic-Opener Nachwehen ergänzen sich „kaputter“ Gesang mit an Knochen erinnernder Percussion, dass Tim Burton seine Freude hätte. Das tanzbare Nebelgeist nimmt ordentlich Fahrt auf und zieht geradeaus von dannen, wobei schwebende Klänge einen Gegenpunkt setzen. Der Mittelteil überrascht sogar mit Sprechgesang. Rap wollen wir es nicht nennen, denn das Bild von Vlimmer mit entsprechenden Moves usw. ist dann doch verstörend. Lieber sehen wir das Stück in der Disco. Nach vorn geht es auch im etwas krautigen 10-Minüter Kondens. Über dem weitgehend durchlaufenden, treibenden Fundament ziehen in vielen Soundlayern lärmige Gitarren, spacig-wabernde Synthies und allerlei Noise-Elemente ihre Bahn. Sie verdichten sich zu einem lärmigen Fuzz-Höhepunkt, nach dem flächige Space-Synthies und Violinen die Spannung wieder herunterfahren. Der Gegensatz folgt in Stufenlethargie, dass seinem Namen Ehre macht: Langsam, schleppend, stoisch geht es voran. Der auch textlich entstehende Eindruck großer Erschöpfung wird durch schwebende Synthies noch verstärkt. Den Abschluss bildet die zäh-klaustrophobische Hochhausschluchtenflucht Thrombo. Hinter der Melodie wandern Klanglayer durch den Raum, der Gesang sinkt in untere Tonlagen ab. Es entsteht eine schon sakrale Stimmung, die teilweise durch eine Orgel auf die Spitze getrieben wird.

Die Produktion folgt der Funktion. Mal vermischen sich Spuren untrennbar zu einem ganzen, mal wird scharf getrennt, stets dem Stück dienlich. Auffallend ist der dieses Mal auch präsenter abgemischte Gesang. Das Album ist auf CD, Musikkassette und digital erhältlich, die Medien besitzen eine handgefertigte Hülle mit thematisch passendem Motiv.

Im Ergebnis ist dies sicher Vlimmers bisher zugänglichstes Album und bringt subjektiv die meisten Änderungen mit sich. Wer nun eine Verflachung befürchtet, sei beruhigt. Diese Gefahren wurden elegant umschifft, und von Massenkompatibilität ist X immer noch weit entfernt. Man darf gespannt sein, wie die Reise weitergeht.

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