Cargo-Vinylaktion

Der Frust in Großstädten muss schier immens sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum die Leipziger Wayste mit ihrem Debüt mal eben alles in Schutt und Asche legen und dabei noch so fordernd sind.

Vö: 07.09.2018 Through Love Records iTunes LP kaufen

„I And You“ begrüßt den Hörer mit einer Feedbackorgie, nur um direkt loszustürmen, begleitet vom Gebrülle des Sängers. Der Sound drückt ohne Ende und die Riffs klingen schneidend und zerfahren. Das Power-Trio arbeitet dabei mit Tempowechseln und gegen Ende wird es nochmal schön noisig. Das nenne ich mal einen Einstieg, der einen direkt an der Kehle packt.

„The Great Disguise“ startet mit einem Bulldozerriff, welches den Hörer unter sich vergräbt, jedoch schlägt der Song zwischendurch auch verhältnismäßig ruhige Klänge an, die aber nicht minder zerfahren klingen. Wayste können auch still, aber nur, um noch lauter zu werden. Gegen Ende steigert sich die Stimmung sogar ins Dramatische.

„Sever And Serve“ fängt eine nihilistische Stimmung ein, wie sie nicht besser zelebriert werden kann. Auch hier beweist die Band, dass sie die Diskographie einer bestimmten Truppe aus Bosten nicht nur einmal gehört hat. „Mourn“ startet mit einem spooky Bluesriff, aber nur um in ein fettes düsteres Riff zu starten, welches schön weitergespielt und dabei abgewandelt wird. Das Stück bleibt im vertrackten mittleren Tempo. Die Durchschlagskraft bleibt jedoch die Gleiche. Gegen Ende gibt es noch halb-gesungene Vocals, die leicht morbide klingen.

„Chosen“ zeigt sich als treibender Rocker, der Live unglaublich hymnisch kommen muss. Schwedische Einflüsse in ganz Laut lassen hierbei besonders aufhorchen. „Killing Pace“ klingt dann wieder wie eine Dampfwalze, nach dem schön bluesigen Intro, bei dem der Schlagzeuger sehr im Vordergrund steht. Unterschwellige düstere Melodien und groovige Zwischenparts treiebn den Song an. Das schon im Vorfeld veröffentlichte „Holy Smoke“ ist ein Brecher, der seinesgleichen sucht. In nicht mal zwei Minuten spielen sich die Leipziger in Ekstase. „Fall“ ist wieder ein laut-bluesiges Massaker, welches in Feedbacks endet.

„Elder“ geht glatt als Halbballade durch, allerdings werden auch hier keine schönen Töne angeschlagen, eher klingt das Ganze nach einem Klagegesang. Allerdings steht der Song der Band wirklich gut zu Gesicht und zeigt die musikalische Bandbreite, in der man sich insgesamt bewegt. Der Sänger steigert sich regelrecht in die Textzeilen rein. Hier steckt eine Menge Gefühl hinter. „Snake Oil“ und „Pious Brother“ zeigen wieder Zähne und klingen zerstörerisch. Mit „Losing Touch“ zeigen die Drei nochmal ihr gesamtes Können und werden dabei am Ende sogar hymnisch.

Wayste haben mit dem live, in der Oldenburgischen Tonmeisterei, eingespielten Album ein Feuer entfacht, welches nur schwer zu löschen ist. Die Songs drücken ohne Ende, klingen zerfahren und lassen immer wieder aufhorchen. Das Coverbild von Hans Morsa fängt mit seinen abstrakten Details perfekt die Stimmung der einzelnen Stücke ein. Die Leipziger brauchen die Vergleiche mit anderen ähnlich gelagerten Bands nicht scheuen. Die Wände, die hier zu dritt hochgezogen werden, klingen zerstörerischer als manche Bands, die drei Gitarren auffahren. Wenn es in diesem Jahr um düsteren Hardcore geht, haben Wayste die Nase ganz vorne mit dabei. Viel mehr kann da nicht kommen.

BERICHT: Spektakuläres aus Leipzig – Lingua Nada & Wayste | Münster Baracke 23.09.2018

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  • 9/10
    Autor Heiko Lüker - 9/10
9/10

Kurzfassung

Der Frust in Großstädten muss schier immens sein. Anders lässt sich nicht erklären, warum die Leipziger Wayste mit ihrem Debüt mal eben alles in Schutt und Asche legen und dabei noch so fordernd sind.

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