Kevin Kuhn hat viel zu tun – für arschcoolen Garagerock reicht die Zeit allerdings noch.

LP kaufen Vö: 27.10.2017 This Charming Man Records

Neben seinem Hauptjob als Drummer für die Noise-Helden Die Nerven, ist er ebenso Teil der Postpunker von Karies und betreibt zudem noch das Surf-Garage-Punk-Psychedelica-Projekt Wolf Mountains. Das bereits zweite Album hört auf den Namen „Superheavvy“ und macht verdammt viel Spaß!

Das wummernde Intro „Hello Folks“ macht eigentlich schon deutlich, dass es sich hier nicht um Popularmusik handelt und leitet direkt zum ersten Garagekracher „Stomp“ über. Knackiger Bass, leicht surfig, tief und kratzig klingt alles ein wenig nach Edgar-Wallace-Soundtrack. Die etwas gelangweilt wirkenden Erzählstimme trägt eine ziemliche Coolness in den Song. 60s-Anleihen sind deutlich spürbar, der drogig-psychedelische Touch wird weiter transportiert zum etwas zügigeren „Vacation“. Irgendwo zwischen Rock’n’Roll und noisigem Punk angesiedelt, glänzt das Ding vor allem durch seinen schrägen Sound. Wie in aller Welt bekommt man denn sowas hin? Die Stimme wird etwas aggressiver, das sich ständig wiederholende Thema wird eigentlich nur von einem fiependen Solo unterbrochen. Bekloppt, aber geil. „Falling Down Yr Stairs“ erscheint wieder etwas gemäßigter, die Stimme wird harmonischer und melodischer wird es auch. Fast schon poppig, aber immer noch garagig und gewollt matschig, was dem ganzen aber sehr gut steht.

Tanzbar, rhythmisch und natürlich auch bisschen spinnig wird “For Sure (That’s A Fact)“ losgelassen. Spätestens jetzt ist man richtig im Kratzkosmos der Wolfsberge angekommen. Wo erst noch Bass und Drums das Stück dominieren, gesellt sich bald eine superknarzige Gitarre dazu und unterstreicht den recht eigenen Stil deutlich. Das saudreckige „Do What You Want“ stapft wieder recht stoisch durch die Lande und ist eher im 60s-Beat anzusiedeln. Dazu gibt es geilen Zwiegesprächgesang und volle, verzerrte Akkorde. „Summer’s Gone Pt. II“ ist der psychedelische Höhepunkt von „Superheavvy“. Leicht an Lou Reeds Glanzzeiten erinnernd, tropft das Stück langsam vor sich hin. Zähe Bassnoten, Rimshots und Gitarrengeplänkel tragen den saften Gesang. Immer häufiger werdende Ausbrüche werden nach und nach zum Chorus ausgebaut. Der Surfrocker „One Day Flu“ kommt mit Rumpeldrums und catchy Riff, das mit seinen drei Akkorden mächtig Spaß macht und auch momentan keinen Gesang vermissen lässt. Ein langes Outtro, das eigentlich nix mit dem Song zu tun hat, schließt das Ganze, bevor mit „Coyote“ ein trippiger, mit Grillen unterlegter Wüstensound gefeiert wird. Der Gesang klingt etwas besoffen, alles wird nach und nach lauter und klarer und steigert sich weiter zu „A Gentle Wind“. Hier wird dem Wave/Post-Punk gehuldigt, die Stimme erscheint entrückt, was aber gar nicht anders sein dürfte. Pumpender Bass, drückendes Schlagzeug und einzelne Gitarrennoten formen einen krassen Gesamtsound.

„Locomotion“ ist wieder irgendwie anders. Mumpfiger Noise wird durch meckernden Gesang ergänzt und mit zweieinhalb Akkorden bis zum Ende geritten. Trotzdem typisch, trotzdem passend. Etwas besser gelaunt, aber natürlich superschief erscheint „Nobody Else Will Know“ auf dem Schirm. Die Stimme klingt wie ein superambitionierter Billy Corgan, der ernsthaft versucht schön zu singen. „Don’t Screw Up“ ist punk as fuck. Die Zerre am Anschlag, es kratzt und scheppert, es wird eimerweise Energie frei. Das klar intensivste Stück des Albums wird dann vom völlig tranigen „Whatever“ abgelöst, das klingt wie ein Schlaflied für manische Kinder. Was für ein Trip!

Es ist immer wieder erstaunlich, was aus dem Stuttgarter Raum für abgefahrener Kram kommt, vor allem auch, weil es immer die gleichen Leute zu sein scheinen, die aber derart viele Genres bedienen.

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