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„Stell dir vor, wir sitzen in einem gewöhnlichen Zimmer. Plötzlich erfahren wir, dass sich eine Leiche hinter der Tür befindet. Mit einem Mal hat sich das Zimmer, in dem wir sitzen, völlig verändert: Alles in ihm hat eine neue Bedeutung. Das Licht, die Atmosphäre haben sich verändert, obwohl sie rein physisch dieselben sind. Der Grund ist, dass wir uns verändert haben.“

sagte Carl Dreyer über die Intention seines 1932 erschaffenen Meisterwerks der Filmtechnik „Vampyr“, das die französischen Post-Metaller Year Of No Light musikalisch neu interpretiert haben, um es live multimedial aufzuführen. Dem Ziel folgend, atmosphärisch und dramaturgisch einem alten Stummfilm-Klassiker neues Leben einzuhauchen, hat sich das Sextett aus Bordeaux einen nahezu idealen Film ausgesucht, der in seinen vernebelten Bildern, den rückwärts laufenden Sequenzen und dunkel-surrealen Traumwelten Dreyer’s exakt dem musikalischen Grundtenor dieser faszinierenden Band entspricht.

Und genau in diesem Sinne lösen Year Of No Light souverän und erhaben eine Aufgabe, die „Vampyr“ mit droneartigen Nebelschwaden, anmutig flirrenden Gitarrenwänden und gelegentlichen Eruptionen zu einem hervorragenden Hörerlebnis machen, das man am ehesten mit einem guten Wein und einem schaurigen Buch bei strömenden Regen gemütlich im Bett am würdevollsten wertschätzt­. Ein 72 Minuten langer Song, der der Dramaturgie des Filmes folgend, selten in der gewohnt massiven Weise verdichtet wird und aufgrund seines Soundtrack-Charakters auch seine Längen hat, die man von regulären Alben dieser Formation natürlich nicht kennt aber immer noch gekonnt und versiert auf die Stärken einer Band hinweist, die sich spätestestens mit ihrem letzten Album in die erste Liga einer ganzen Riege von Bands gespielt hat, die den ausgetretenen Pfaden des Postrocks mit Blastbeats, tonnenschweren Wall of sounds und alles verschlingender Dunkelheit zu Leibe rücken. In diesem Sinne ist es sicher nicht verwunderlich, dass sich unter anderem die Klimax von „Vampyr“ beim Hauptthema von „Abesse“, dem Herzstück des letzten regulären Albums „Ausserwelt“ bedient und somit kaum Befriedigung im sehnlichen Wunsch nach einem neuen Album der Franzosen bringen kann und „Vampyr“ als ein lediglich gelungenes Experiment erscheinen lässt, das live aufgeführt ein tolles Erlebnis für die Sinne ist aber auf Vinyl gepresst vor allem die Gier nach dem noch in diesem Jahr erscheinenden neuen Werk der Franzosen steigert.

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